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Sender Breslau

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Breslau
Rothsürben
Reichssender Breslau
26.05.1924
bis
min. 1926/27
MW 721,2 kHz 416,0   60 kW
(10 kW)
Inbetriebnahme

bis Kriegsende ???
von ???
1931 - 1940
bis ???
MW 923,0 kHz 325,0 Breslau  

bis Kriegsende ???
1934
bis
1945
MW 950,0 kHz 315,8 Reichssender Breslau 60 kW
(100 kW)


bis Kriegsende

Am 4.4.1924 wurde die "Schlesische Funkstunde A.G." in Breslau gegründet.

Anfang Mai 1924 wurden erste Testsendungen gesendet.

Am 26. 05.1924 ging die "Schlesische Funkstunde" auf Sendung. Standort der Sendeanlagen war im Südpark von Breslau.

   Quelle: alte Postkarte

Ende 1924 erreichte der Sender ca. 39.340 Hörer und hatte Einnahmen von 230.400 Reichsmark.

1925 bis 1933 gehörte die Schlesische Funkstunde der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RGG) an.

1931 hatte der Sender Einnahmen von 2,6 Mio. Reichsmark.

Am 27.08.1932 wurde in der Nähe der Ortschaft Rothsürben (18 km südlich vom Breslauer Stadtzentrum) ein weiterer Mittelwellen-Sender mit einer Sendeleistung von 60 kW (später 100 kW) gebaut. Der Sender nennt sich jetzt "Großsender Breslau". Als Antennenturm wurde, wie bei den meisten deutschen Sendestellen seinerzeit üblich war, ein freistehender Holzturm verwendet, in dem der Antennendraht aufgehängt wurde. Der Sendeturm war mit 140 m Höhe derzeit der höchsten Holzturm der Welt. Er trug auf seiner Spitze einen achteckigen Bronzering mit 10,6 Meter Durchmesser zur elektrischen Verlängerung. Er war einer Masterhöhung von 40 m gleichbedeutend. Die Antenne war etwa auf die halbe Wellenlänge abgestimmt und stellte die derzeit modernste Lösung der Fadingbekämpfung dar, indem sie eine verstärkte Bodenwelle und eine verminderte Raumabstrahlung bewirkte.

Die Sendeanlage baute Telefunken. Es wurde ebenfalls das Programm der "Schlesischen Funkstunde" übertragen.

Die Konstruktion der Telefunken-Einturm-Antenne erwies sich als sehr erfolgreich. Die bei bisher üblichen Antennenformen äußerst unangenehmen Schwunderscheinungen im Umkreis von 70 - 200 km konnten durch diese Halbwcllenantenne bedeutend vermindert werden. Im Umkreis von 80 km waren die Feldstärkenunterschiede bei bisherigen Antennen 1 : 30, bei dieser Einturmantenne nur 1 : 2. Die Werte für Entfernungen von 160 km betrugen 1 : 50 bei bisherigen Antennen und 1 : 12 bei dieser Antenne.

   Quelle: [2]
Einturmantenne Rundfunksender Breslau (Holz)

Hier ist der der Holzmast zu sehen, zwischen seinen Fundamenten das Antennen-Abstimmhaus, rechts im Hintergrund der Kühlturm für die Rückkühlanlage der Senderöhren und daneben das Sendergebäude.

   Quelle: [224]
Der 140 m hohe hölzerne Antennenmast

Die Speisung der Antenne erfolgt durch eine, etwa in 1 m Höhe, geführte sogenannte Energieleitung, bestehend aus zwei konzentrischen Kupferröhren. Im folgenden Bild rechts zu sehen.

   Quelle: [224]
Das Antennen-Abstimmhaus zwischen den Mastfundamenten

   Quelle: [224]
Der Bronzering auf der Mastspitze wird montiert

Der von Telefunken gelieferte Sender hatte eine modulierte Antennenkreisleistung von 73 kW, war kristallgesteuert und besaß 7 Kaskaden. Die ersten vier waren in einem geschlossenen Kasten montiert:

   Quelle: [224]
Die ersten 4 Sendestufen und der Modulationsverstärker

Die Rückansicht zeigt uns rechts die Kristallstufe und Stufe 2, die Röhren der Stufen 3 und 4 im Mittelteil. Anschließend befindet sich der Modulationsverstärker, der über entsprechende Kabelendverstärker- und Messeinrichtungen über ein 25 km langes Kabel vom Funkhaus Breslau mit Energie versorgt wurde.

In der fünften Stufe erfolgte die Modulation der Hochfrequenzschwingungen, die weitere Verstärkung wurde in den Stufen 6 und 7 vorgenommen. Die Stufe 6 arbeitete mit 2 Röhren von 20 kW Leistung, die Endleistungsstufe 7 war mit 2 Röhren von je 150 kW ausgerüstet. Die 150-kW-Röhren stellten zu dieser Zeit ein Meisterwerk der deutschen Technik dar.

Ein Satz Reserveserveröhren saß, leicht umschaltbar, im Sender.

Hier einige Röhrendetails: Oben die Gitterzuführung, im Mittelteil die beiden wassergekühlten Heizzuleitungen.

   Quelle: [224]   Quelle: [224]
Rückansicht der Sendestufe 7Der Glasteil der 150 kW-Telefunken-Senderöhre

Das nächste Bild zeigt den Apparaturraum, welcher sich unter dem Sendersaal befand. Große Porzellantrommeln wurden vom Kühlwasser der Röhren, welches die Anoden dieser umspült und daher 12.000 Volt gegen Erde fuhrt, durchflossen und bildeten die nötige Isolation. Die in den Röhren entstandene Wärme wurde durch das Kühlwasser abgeführt, welches in einer Rückkühlanlage durch Brunnenwasser abgekühlt wurde. In den Röhren zirkulierte destilliertes Wasser, um Kesselsteinbildung zu vermeiden. Die Stromversorgung der Senderanlage erfolgte über ein Hochspannungskabel, welches 10.000 V Drehstrom führte. In einem Quecksilberdampfhochspannungsgleichrichter wurde die Anodenspannung von 12.000 V Gleichstrom (für die Stufen 5 bis 6) erzeugt, während für Heizung, Gittervorspannung und Anodenspannungen der Vorstufen rotierende Umformer verwendet wurden.

   Quelle: [224]
Teilansicht des Apparaturraumes, Im Hintergrund eine Kondensatorbatterie

Ende 1932 waren es 234.300 Hörer.

Am 24.01.1933 wurde die A.G. in die "Schlesische Rundfunk G.m.b.H., Breslau" mit Wirkung zum 1.1.1934 umgewandelt.

Ab dem 1.4.1934 wurde die GmbH. In eine Filiale der "Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mbH." umgewandelt. Der Name war jetzt "Reichssender Breslau". Danach wurde die GmbH liquidiert.


Senderkennung anhören:
  

1940 wurde am Standort Rothsürben eine zweite Sendeantenne in Form einer Dreiecks-Flächenantenne, welche an drei 49,9 m hohen Stahlrohrmasten aufgehängt war, errichtet. Sowohl der Holzturm als auch die Dreiecksflächenantenne wurden bis zur Betriebseinstellung wegen der vorrückenden sowjetischen Truppen verwendet.

Am 7.2.1945 wurde der Sendebetrieb eingestellt und die Sendeanlagen von deutschen Truppen demontiert.

Nach 1945 wurde der Sendebetrieb vom polnischen Rundfunk, unter Verwendung des alten Holzturms, wiederaufgenommen.

Im Herbst 1990 wurde der 140 m hohe Holzsendeturm wegen Baufälligkeit abgerissen.


Quellen: [2], [10], [224]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 20.07.2016