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Programm "Mitteldeutsche Rundfunk A.G. (MIRAG)"

Rundfunksender

Am 22.01.1924 wurde die "Mitteldeutsche Rundfunk AG - Gesellschaft für Belehrung und Unterhaltung in Leipzig (MIRAG)" als private Einrichtung mit 80.000 Goldmark gegründet.
Sie stand unter hoheitlicher Aufsicht der Reichspost.

Quelle: [4] Wolfgang Eckardt

Der Sendebezirk sah folgendermaßen aus:

Quelle: [13]

Zum Sendegebiet gehörten die Oberpostdirektionsbezirke Leipzig, Dresden, Chemnitz, Erfurt, Halle, Magdeburg (teilweise) und Braunschweig (teilweise). Im Zeitraum 1924-1929 wohnten dort ca. 9,7 Millionen Menschen.

Am Vorabend der Leipziger Frühjahrsmesse 1924 erfolgte am 01.03.1924 14:30 Uhr in Leipzig der Sendestart des zweiten offiziellen Rundfunksenders in Deutschland mit den Worten:
"Hallo, hallo, hier ist Leipzig, hier ist der Leipziger Meßamtssender der Reichs-Telegraphen-Verwaltung für Mitteldeutschland, wir senden auf Welle 450!"

Hierzu folgende Pressemitteilung:

Pressemitteilung   Quelle: [4] Wolfgang Eckardt

Der Sendestart an diesem Tag hatte einen wirtschaftlichen Hintergrund. Unmittelbar am nächsten Tag begann die Frühjahrsmesse, auf der erstmals die Funkindustrie in einer gesonderten Schau die Leistungsfähigkeit ihrer Neuheiten anhand eines laufenden Radio-Programms präsentieren wollte. Gerade dieser wirtschaftliche Aspekt war es, neben der zentralen Lage im künftigen Sendebezirk, der den Ausschlag für den Sendestandort Leipzig gab.

Da der Sender aus dem Berliner VOX-Haus eine zu geringe Reichweite hatte, wird dieser Tag als "Geburtsstunde" des Rundfunks in Mitteldeutschland angesehen. Das Programm startete mit täglich 2 bis 3 Sendestunden. 22:00 Uhr war anfangs Sendeschluss.

Hier ein Beispiel:

10:00 Uhr - 10:15 Uhr Wirtschaftsnachrichten mit Börsennotierungen.
12:45 Uhr "Was die Zeitung bringt" Nachrichten, die laut Leserbriefen in Rundfunkzeitschriften vornehmlich vorgelesene Zeitungsnachrichten waren.
20:15 Uhr - ca. 21:45 Uhr Konzert der "Hauskapelle",
danach bis 22:00 Uhr die Pressemeldungen.

Nach einem weiteren Pressebericht brachte der Leipziger Sender zum Abschluss der Abendvorträge auch Reklamedarbietungen, wovon in der Zeit der Saisonausverkäufe von der Geschäftswelt rege Gebrauch gemacht wird.

Die tägliche Sendezeit wurde bis Anfang der 1930er-Jahre auf mehr als 14 Stunden erweitert. Alle Beiträge wurden live gesendet.

Die Wortbeiträge waren zunächst meist Vorträge von etwa 30 Minuten Dauer. Das Themenspektrum erstreckte sich von radiotechnischen Fragen über Musik, Theater, Literatur, Geschichte, Philosophie, Psychologie und Pädagogik bis hin zu Geographie, Wirtschafts- und Rechtswissenschaft sowie Landwirtschaft, wobei auch ganze Themenreihen gestaltet wurden. Als Nachrichten wurden meist Zeitungsmeldungen verlesen, die die "Leipziger Neuesten Nachrichten" von Edgar Herfurth kostenlos lieferten. Bereits ab Sommer 1924 gab es einen regionalen Sportfunk und ab Oktober sonntags religiöse Morgenandachten, die aber nicht von den Kirchen ausgerichtet wurden.
Eine besondere Bedeutung als neue Kunstform in dem neuen Medium Rundfunk gewann bald das Hörspiel. Hier leistete Julius Witte Pionierarbeit.

Wort- und Musikbeiträge hielten sich im Programm etwa die Waage. So gab es täglich ein anderthalbstündiges Nachmittagskonzert und auch ein Abendkonzert, meist mit der Hauskapelle. Es wurden aber auch öffentliche Konzerte mit dem Leipziger Sinfonie-Orchester übertragen. Bereits im Mai 1924 erlebten auch schon der Bunte Abend - eine Mischung aus unterhaltender Musik und Rezitationen - seine Premiere.

Sitz der MIRAG sowie das Sendestudio befanden sich in der "Alten Waage", am Markt 4. Hier waren neben Verwaltungs- und Aufnahmeräumen auch die technischen Einrichtungen untergebracht.

Alte Waage
Quelle: [4] Hagen Pfau
Alte Waage   
Quelle: alte Postkarte
Besprechungsraum

"Großer Besprechungsraum" in der "Alten Waage"
Quelle: [162]

Der erste Sender der MIRAG befand sich im Gebäude des "Neuen Johannis-Hospital" in der Hospitalstraße 36.

Johannis-Hospital   Quelle: [4] Hagen Pfau

Die Programminhalte lassen sich aus der jeweiligen Verwaltungsstruktur des Senders ableiten.

Ab Mai/Juni 1924 hielt der Musikschriftsteller Ernst Smigelski Einführungsvorträge und Vorträge. Ab Juli hielt Adolf Winds Vorträge zur literarischen Bildung. Zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr wurden Nachmittagskonzerte gesendet.

Ab November 1924 wurde ein eigenes Pausenzeichen eingeführt, das Ticken eines Weckers.
Erzeugt wurde es durch einen Wecker, dessen Ticken über ein
Fernsprechmikrofon aufgenommen wurde:

Quelle: [17] 9/58   
Fernsprechmikrofon
Anhören:
  

Die Zeitschrift "Die Mirag" vom November 1924 veröffentlichte folgendes Gedicht, in dem auch einige Namen von Sprechern, Schauspielern und Sängern aus dieser Zeit genannt werden:

Gedicht   Quelle: [15] 1942

1924/25 bestand das Programm aus musikalischen und literarischen Beiträgen. Zum Senderpersonal gehörten ein Orchester mit 24 Mitgliedern und eine literarische Abteilung.

Solisten: Emil Luh (Konzertmeister, 1. Violine, Bratsche), Friedbert Sammler (Piano), Alfred Simon (Kapellmeister), Franz Adam (Piano). Sprecher: Karl Keßler, Martina Otto-Morgenstern, Lina Monard, Hedda Wardegg, Lina Carstens.

Ab 1925 betrieb die MIRAG ein Aufnahmestudio in der "Alten Handelsbörse" am Naschmarkt.

Am 22.2.1925 wurde der Nebensender in Dresden mit eigenem Studio offiziell eröffnet.

Im Januar 1926 kamen weitere Solisten und Sprecher hinzu. Ernst Müller gab sonntags Orgelkonzerte, Obermusikmeister Bier trat mit Militärkonzerten auf. Außerdem gab es jetzt in Weimar eine weitere "Besprechungsstelle" (Studio).

Der Nebensender Dresden hatte jetzt eine eigene Rundfunkkapelle.

Ende 1926 gab es weitere "Besprechungsstellen" in Chemnitz, Gera, Jena, Erfurt, Sondershausen und Eisenach.

Am 16. August 1928 bezog die MIRAG zu ihrem erweiterten Sendebetrieb zwei Etagen in "Barthels Hof" an der Nordwestecke des Marktes (Markt 8 / Hainstr.1). Der Sendebetrieb von hier wurde erst durch die schweren Bombenangriffe beendet.

Anfang 1930 wurde das Programm vielseitiger. Sendespiele (Peter Schmiedel), Jugendstunde (Susanne Bach) und Sportfunk (Erich Chemnitz) gehörten jetzt zum Programm.

Ab dem 1.5.1930 gehörten ein "Sprachenfunk" (italienisch, französisch, englisch, spanisch) zum Programm.

Am 3.5.1930 erfolgte die erste Sendung des "Schulfunks".

Die literarische Abteilung am Standort Dresden wurde im Herbst 1930 "aus Sparsamkeitsgründen" aufgelöst.

1931 gab es einen "Steuerfunk".

Am 1. Oktober 1931 fusionierte das Orchester der MIRAG mit dem Leipziger Symphonieorchester, so dass mit Berücksichtigung seiner Wurzeln das älteste Rundfunkorchester Deutschlands entstand.

Ab 1933 gab es einen "Kinderfunk".

Im Januar 1933 wurde die MIRAG in eine GmbH umgewandelt. Der Name war jetzt:
"Mitteldeutsche - Rundfunk G.m.B.H., Leipzig".

Am 31.1.1934 wurde die GmbH liquidiert und der Sender endgültig in eine Filiale der RRG umgewandelt. Der Name ist jetzt " Reichssender Leipzig".

Das Programm des "Reichssenders Leipzig" vom 28.2.1936:

   Quelle: [110] Heft 8, Februar 1936

Ab 1941 wurden kriegsbedingt kaum noch eigene Beiträge produziert und stattdessen das zentrale "Reichsprogramm" übernommen.

Am 12.04.1945 wurde der Sendebetrieb eingestellt.


Quellen: [4], [10], [13], [161]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 04.12.2014