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Sender Nauen

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Nauen
Großfunkstelle Nauen
Graf-Arco-Str.
16.08.1906   20...100 kHz   Morsezeichen   Inbetriebnahme
Knallfunkensender
1909
bis ???
  ???         Löschfunkensender
1911 erstmaliger Funkkontakt mit Togo
27.03.1905   ???         Maschinensender
1924
bis ???
KW ??? kHz     800 W Telegraphie
1933
bis
1945
LW ??? kHz       Längstwellensender
zur Übermittlung von Befehlen an getauchte U-Boote
1955
bis ???
KW ??? kHz       vorwiegend für diplomatische Kontakte
1958
bis ???
KW ??? kHz   Radio Berlin International   Auslandsrundfunk
1959
bis ???
KW
???
kHz   Radio Berlin International
50 kW
Inbetriebnahme Sender Typ SK1/R, Funkwerk Köpenick
02.02.1964
bis
02.07.1964
KW
???
kHz       Probebetrieb Sender Typ 1534.3 , Funkwerk Köpenick
02.07.1964
bis ???
KW
???
kHz   Radio Berlin International (Suaheli)
100 kW
 
1978
bis ???
KW
???
kHz   Radio Berlin International
500 kW
Inbetriebnahme Sender Typ PKW 500, SU
1958
bis ???
KW ??? kHz   Deutscher demokratischer Rundfunk   Auslandsrundfunk

Die Großfunkstelle Nauen ist die älteste Sendeanlage der Welt.

Am 9. August 1906 wurde der Probebetrieb und am 16. August 1906 der operative Betrieb als Versuchsstation von Telefunken aufgenommen.


Kaiser Wilhelm II bei einer Besichtigung der
Großstation Nauen am 7.11.1906

Quelle: [41]
Als Sendemast diente ein
100 Meter hoher, gegen Erde
isolierter Stahlfachwerkmast,
der eine Schirmantenne trug.


Antennengebilde 1906-1909
Quelle: [41]
Als Sender wurden
Knallfunkensender verwendet.

Knallfunken-Sendeanlage 1906-1909
Quelle: [41]
Da die Station über keinen
Stromanschluss verfügte,
wurde im Sendergebäude,
einem leichten Fachwerkhaus,
ein Lokomobil mit einer Leistung
von 35 PS aufgestellt, welches
einen 50 Hz Wechselstromgenerator
mit 24 kVA Leistung antrieb.

Quelle: [41]   

Nauen sendete und
empfing u.a. Telegramme.

Empfängertisch 1906-1909
Quelle: [41]
 
1909 wurden ein Löschfunkensender installiert. Mit ihnen konnten Reichweiten von 5.000 Kilometern erzielt werden. Korrespondierenden Stationen in den USA waren Sayville auf Long Island bei New York, Marion, Annapolis und Longbeach. Weitere Funkkontakte bestanden mit Cartagena (Kolumbien), Java, Japan und Mexiko.


Antennengebilde 1909-1911
Quelle: [41]

In Geltow bei Potsdam wurde eine Empfangs-Station gebaut (30 km von Nauen entfernt). Hier störten die starken Sende-Signale nicht den Funkempfang.

Empfangsanlage mit Rahmenantenne in Geltow
Quelle: [41]
Empfangsstation bei Geltow
Quelle: [39]

      Schema der Empfangsanlage in Geltow  Quelle: [41]


Am 07.06.1911 gelang deutschen Funkern in der Kolonie Togoland
eine drahtlose Verbindung mit der Großfunkstelle Nauen (über 5.000 km).
Die Versuche führen zum Bau der Funkstation Kamina.

Empfangs-Versuchsanlage in Togo  
Quelle: [41]  

Im gleichen Jahr wurde auch der Antennenmast auf 200 Meter Höhe aufgestockt. Allerdings wurde dieser Mast durch einen Sturm am 31. März 1912 zerstört.

Quelle: [41]  
Er wurde durch eine Antenne ersetzt, die zwischen zwei 120 Meter hohen Masten gespannt war. Ende 1912 wurde diese wiederum durch eine von 5 Masten getragene L-Antenne mit V-förmigen Grundriss ersetzt.

Antennengebilde 1911-1916
Quelle: [41]  

1913 liefert TELEFUNKEN eine 500 kW-Hochfrequenzmaschine nach Nauen. Diese arbeitete mit Frequenzverdopplung nach dem System Arco.

Hochfrequenz-Maschinen-Sender
Quelle: [39]  

Hochfrequenz-Maschinen-Sender  
Quelle [11] Bild 102-10978 / unbekannt / CC-BY-SA  

   Schema des Senders Nauen mit Hochfrequenzgenerator  Quelle: [41]

Am 10. Februar 1914 wurde eine 1.037 Meter lange, von einem 260 Meter hohen und zwei je 120 Meter hohen Masten getragenen L-Antenne installiert. Zeitgleich erhielt die Station ein neues Sendergebäude.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs unterstand die Station der Kaiserlichen Admiralität und bekam eine große Bedeutung, denn die nach Deutschland führenden Überseekabel waren von den gegnerischen Staaten unterbrochen worden. Von Nauen erreichte die Nachricht vom Kriegsausbruch die deutschen Kolonien, die wiederum zahlreiche deutsche Handelsschiffe warnten.

1916 erfolgte auf Drängen von Hans Bredow (damaliger Telefunken-Direktor und späterer Reichsrundfunk-Kommissar) der Ausbau der Station. So wurde die Antennenanlage enorm vergrößert und weitere Hochfrequenzmaschinensender aufgestellt.

   Antennengebilde 1916-1919  Quelle: [41]

Am 5. Januar 1917 beginnt die regelmäßige Ausstrahlung des Zeitzeichens.

Am 26.01.1918 wurde in Berlin wird die "Drahtlose Übersee-Verkehrs AG" (Transradio Nauen) mit Sende- und Empfangsanlagen in Nauen und Geltow gegründet. Sie ist eine Tochtergesellschaft von "Telefunken".

Von 1918 bis 1931 gehörte die Anlage zur Transradio AG.




Ansicht der Großstation Nauen um 1918
Quelle: [41]

Quelle: [44]


Stationshaus August 1918
Quelle: [41]

Im August 1919 veröffentlichte die "Telefunken-Zeitung" eine Nauen=Nummer. Vielen Dank für die Veröffentlichung dieser Zeitung im Radiomuseum.org.

1920 bekam die, bis dato fertiggestellte Hauptantenne, der Station, welche von zwei 260 und von vier 125 Meter hohen Masten getragen wurden, beachtliche Ausmaße: sie erstreckte sich über eine Länge von 2.484 Metern.



Die Antennenanlagen
Quelle: [44]

Die B-Antenne vom Dach des Stationsgebäudes gesehen   
Quelle: [44] C. Rogge  

Im rechten Winkel zu dieser gab es noch eine kleinere Antenne, die von drei Masten getragen wurde, von denen einer wie ein Freileitungsmast aussah. Außerdem wurde 1920 das von Hermann Muthesius gestaltete neue Sendegebäude, der charakteristische Muthesiusbau, errichtet.

    Quelle: [39]

Am 29. September 1920 wurde die modernisierte Sendestelle durch Reichspräsident Friedrich Ebert eingeweiht. Dazu erschien eine Festschrift und ein Führer durch die Station.

1923 wurde in Nauen der letzte Maschinensender aufgestellt.

Ab 1924 wurden Kurzwellensender installiert.



Antennenanlagen der Großfunkstelle 1930
Quelle: [11] Bild 102-09548 / CC-BY-SA


Die Großfunkstelle im Januar 1931, im Hintergrund der Muthesiusbau
Quelle: [11] Bild 102-10977 / unbekannt / CC-BY-SA

Am 1. Januar 1932 übernahm die Deutsche Reichspost die Station. Obwohl in den 1930er Jahren schon längst Röhrensender Stand der Technik waren, wurden die Maschinensender 1937 noch modernisiert.

Hörproben 1933:

Anhören:

Achtung, Achtung, hier Phono-Nauen! 1. Teil

Achtung, Achtung, hier Phono-Nauen! 2. Teil
    
    

Am 29.09.1938 wird der repräsentative Erweiterungsbau der Großfunkstation von "Transradio Nauen" seiner Bestimmung übergeben.

Im Zweiten Weltkrieg dienten die Längstwellensender der Station hauptsächlich zur Übermittlung von Befehlen an getauchte U-Boote.

Ab Ende Mai 1945 erfolgte die Demontage der Sendeanlagen durch die sowjetischen Besatzungsmächte. Die Station hatte den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden, alle technischen Einrichtungen wurden abgebaut und die Masten gesprengt.

Bis 1955 herrschte Funkstille in Nauen und das Gebäude wurde als Kartoffellager genutzt. 1955 begann man in Nauen mit dem Aufbau von Kurzwellensendern, erst für diplomatische Kontakte, ab 1958 auch für den Auslandsrundfunk. Als Sendeantennen wurden zunächst 39 Rhombusantennen errichtet.

Im Oktober 1961 begannen die Bauarbeiten für eine, der damals weltweit modernsten, dreh- und schwenkbare Kurzwellen-Sendeantenne am Dechtower Deich (Dechtower Damm 66).
Im Februar 1964 begann der Probebetrieb.
Am 2. Juli 1964 erfolgte die Inbetriebnahme.

Die Drehstandantenne, in Verbindung mit einem 100-kW-Sender vom Typ 1534.3 des Funkwerkes Köpenick, diente zur Übertragung von "Radio Berlin International" für Afrika in der Sprache Suaheli.

Die beiden Antennenfelder verfügen über ein Gewicht von 40 und 70 Tonnen.

Weitere Daten dieser Antenne wurden vom "Zentrum für Funk- und Energietechnik Nauen e.V." zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

   Drehstandantenne  Quelle: [10] Hihiman

1972 wurde in der Nähe dieser Antenne eine Kurzwellenvorhangantenne errichtet und weitere Sender in Betrieb genommen.

     Quelle: [11] Bild 102-11590 / unbekannt / CC-BY-SA

Nach der deutschen Wiedervereinigung ging die Anlage in Nauen an die Deutsche Bundespost über. Es wurden alle Sender und Antennen, die nicht dem Kurzwellenrundfunk dienten, abgeschaltet und demontiert.

1994 wurde eine vollständige Rekonstruktion der Drehstandantenne mit einem Austausch der Steuerungstechnik durchgeführt.

1998 erfolgte die Demontage des 100-kW-Sender vom Typ 1534.3.

1999 wurden erste Versuche von regionalen Funkamateuren mit der Drehstandantenne durchgeführt.

Mitarbeiter des Zentrum für Funk- und Energietechnik Nauen beantragten beim, für technischen Denkmalschutz zuständigen, Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege den technischen Denkmalschutz für die Drehstandantenne, welcher von der obersten Landesdenkmalbehörde zugelassen und genehmigt wurde.

Bis zum heutigen Zeitpunkt, im Jahre 2013, ist die dreh- und schwenkbare Richtantenne voll funktionstüchtig und betriebsbereit.


Quellen: [10], [39], [41], [44], [159]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 30.11.2014