header

Old Time Radio - Die Seite für Sammler und Liebhaber alter Radiogeräte
 · Firmengeschichte(n)
 · Logos
 · Fernseher
 · Mikrofone
 · Plattenspieler
 · Abtastsysteme
 · Radios
 · Tonband- und
 · Kassettengeräte

 · Magnetbandköpfe
 · UKW-Vorsetzer
 · Verstärker
 · TGL´s
 · RGW-Standards
 · Bauelemente
 · nach Werkstandards

 · Bauelemente
 · ohne Standards
 · Ostdeutsche
 · Rundfunksender

 · Ostdeutsche
 · Fernsehsender

 · Senderlogos
 · Deutsches Reich
 · DDR
 · BRD
 · Sammeln, aber wie?
 · Ein altes Radio betreiben?
 · Restaurieren
 · Kondensatoren
 · austauschen?
 · Schone Dein
 · Rundfunkgerät!

 · Bestimmung
 · des Baujahres

 · Gemeinschaftsem-
 · pfänger 1933 - 1945

 · DDR-Handy
 · Magnetbandköpfe
 · Tonabnehmer
 · TV-Normen
 · Wellenlängen und
 · Frequenzen

 · Schellack-Platten-Story
 · Tefi-Story
 · Antennen
 · Bücher, Literatur
 · Diverses
 · Lautsprecher
 · und Kopfhörer

 · Mikrofone
 · Militärische Geräte
 · Radio- und TV-Bauteile
 · Röhren
 · Rundfunkempfänger
 · Stromversorgung
 · Telefone
 · Tonspeichergeräte
 · Abtastsysteme (Nadel)
 · Tonträger
 · TV, Fernseh-Empfänger
 · Verstärker
 · Werkstattbedarf
 · Zubehör und
 · Vorsatzgeräte
 · Sammler
 · Museen
 · Handel
 · Linkangebot


 

Sender Reichenbach / O.L.

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Reichenbach / O.L. 07.07.1937 MW ??? kHz     5 kW Inbetriebnahme (02.05.1937 Probebetrieb)
1939
bis
ca. 1945
MW 1.231,0 kHz 243,7 Schlesische Funkstunde
Reichssender Breslau
5 kW
8 kW
Gleichwellenbetrieb mit den Sendern Gleiwitz, Troppau, Kattowitz
1950
bis
III/1954
MW 912,0 kHz 328,7 Mitteldeutscher Rundfunk 0,5 kW  
III/1954
bis ???
MW 912,0 kHz 328,7 Berliner Rundfunk 0,5 kW  
von ???
1962
bis ???
MW 908,0 kHz 330,0 Berliner Rundfunk 20 kW  
von ???
1976
bis 1990 ???
MW 656,0 kHz 457,0 Berliner Rundfunk 3,5 kW  
von ???
bis ???
MW 1.170,0 kHz 256,2 Berliner Rundfunk    

Am 2.05.1937 begann der Probebetrieb des Senders. Der Standort ermöglicht den Empfang am Tage bis ins tschechische Riesengebirge. Der Sendeturm war ein freistehender, 100 m hoher Turm aus Nadelholz. An dessen Spitze befand sich ein achteckiger Ring aus Bronze mit einem Durchmesser von 11 Metern. Das Antennenkabel wurde senkrecht vom Fuß an die Spitze des Mastes geführt. Das Programm wurde über eine schwundminderte Halbwellen-Eindrahtantenne mit ringförmiger Dachkapazität abgestrahlt. Der Hochfrequenzteil des Senders war ein Produkt der "Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegrafie mbH" mit einer Sendeleistung von 5 kW, die später auf 8 kW verstärkt wurde. Ein neues Sendegebäude wurde ebenfalls errichtet. Er galt als technisch und baulich modernster Rundfunksender Deutschlands.


Quelle: [3]

Unter dem Bild steht folgender Text:

"Eine neue Zeit ist über die vielen, deren Name nur noch Stein und Erz fünden, hingezogen, aus den schönen Wäldern, Auen und Hügeln des Lausitzer Landes erhebt sich ein Wahrzeichen unseres Jahrhunderts: Der Görlitzer Sender am Stadtrand von Reichenbach. Man hört oft sagen, die Gebilde moderner Technik seien nicht malerisch, häufig ist es so, und doch gibt es Blickpunkte, wo auch solch luftiges Stab- und Gitterwerk in fein konstruktiv berechneter Kurve sich seiner Umgebung angepaßt. Neben der altertümlichen Kirche, den neueren Siedlungen, ragt dies Werk unserer Tage ins Himmelblau, sie alle prägen Fleiß und Beharrlichkeit, das Ringen und das Wahre, Gute aus; möge dieser Zeuge der neuen Zeit dem Sechstädteland bis in ferne Zeiten das Beste fünden." [3]

Am 8.07.1937 begann der offizielle Sendebetrieb als "Sender Görlitz". Er war eine Außenstelle des "Reichssenders Breslau", zu dem auch ein Studio im Görlitzer Ständehaus (Promenade Nr. 15) gehörte. Anfangs übertrug der Sender auch regionale Sendungen.

Sendemast und Sendegebäude 1937
Quelle: [4] Wolfgang Lill
Das Foto, zwischen 1937 und 1945 auf der Spitze des Sendemastes
aufgenommen, zeigt im Vordergrund  einen (namentlich unbekannten)
Telefunken-Ingenieur, dahinter die, für die Technik verantwortlichen,
Sendermitarbeiter Helmut Paul und Alfred Jeschke (von links nach rechts).
Alfred Jeschke war unter anderem für die Notstrom-Aggregate verantwortlich.

Quelle: [62]
Alte Postkarte
Quelle: [4] Wolfgang Lill

Sendegebäude 1937
Quelle: [4] Wolfgang Lill
Senderaum bis 1945
Quelle: [62]

Ab Juni 1940 Übertragung des vereinheitlichten Reichsprogramms ("Großdeutscher Rundfunk").

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er mit den Sendern Gleiwitz, Troppau und Kattowitz im Gleichwellenbetrieb. In anderen Quellen wird auch ein Gleichwellenbetrieb mit dem Sender Breslau beschrieben, dieser konnte jedoch bisher noch nicht nachgewiesen werden.

Folgendes Bild zeigt die Sendermitarbeiter vor dem Sender Reichenbach OL vermutlich 1943 oder 1944:

   Quelle: [62]
v.l.n.r.: unbekannter Wachpolizist, Frau Rau, Herr Klein, Frau Sass, Herr Helmut Paul, Herr Otto Tschoppe (Senderleiter bis 1945),
Frau Helene Jeschke, Frau Else Paul, Frau Erna Straus, Herr Rau, Helga (ein ausgebombtes Mädchen, wohnte bei der Familie Paul),
Paul Lormes, ein Unbekannter, ein Angehöriger des Senders Breslau, Alfred Jeschke.

Die Übertragungen des "Großdeutschen Rundfunks" erfolgten bis Ende April 1945. Der Sender Reichenbach war einer der letzten funktionierenden des "Großdeutschen Rundfunks". Von hier wurde die letzte große Rede von Goebbels aus der Stadthalle in Görlitz am 9. März 1945 übertragen.

Letzter Sendeleiter war Otto Tschoppe. Er wohnte in der rechten Wohnung des Sendergebäudes. In der linken Wohnung wohnte die Familie Paul.

Am 7. Mai 1945 wurde der Holzturm gegen 21.00 Uhr durch die Wehrmacht gesprengt, um nicht der Roten Armee in die Hände zu fallen, die bereits den Ort Reichenbach erreicht hatten. Die technischen Anlagen des Senders blieben unversehrt und wurden im Frühjahr 1946 auf Befehl der SMAD demontiert, verpackt und nach Berlin in die zentrale Postdienststelle Tempelhof, wenig später nach Potsdam-Wildpark, gebracht. Mit dieser Sendeanlage und weiteren Teilen wurden die technischen Voraussetzungen für den Programmbeginn des Landessenders Potsdam-Golm des Berliner Rundfunks geschaffen.

Die Herren Otto Tschoppe und Rau wurden verhaftet und sollen im NKWD-Lager Tost noch 1945 verhungert sein.

Die Verbundenheit der Reichenbacher mit "Ihrem Sender" zeigt ein Souvenier, welches im Reichenbacher Farbglaswerk hergestellt wurde
und in den sechziger Jahre noch bei vielen Bewohnern in den Wohnzimmer-Buffets stand.
Der Anlass und das Jahr der Herausgabe dieses Souveniers sind leider unbekannt.

Es handelt sich um ein etwa talergoßes (5,5 cm) farbiges gedrücktes Glasstück mit dem aufgeprägten alten Sendemast.
Die Farbvariationen waren unterschiedlich, der Sockel gleichfarbig.

In der Zwischenzeit ist es so selten geworden, dass es nicht einmal den Weg ins örtliche Heimatmuseum gefunden hat.

   Quelle: [62]

1950 wurde In Reichenbach wieder ein kleiner 0,5-kW-Sender errichtet. Dieser übertrug das Programm des erneut gegründeten Mitteldeutschen Rundfunks.

Ab 22.03.1953 wurden Sendungen in Sorbischer Sprache ausgestrahlt. Das Sorbische Studio, mit Sitz in Görlitz, unter Leitung von Klaus Hemmo, produzierte zunächst wöchentlich 70 min Sendungen in Obersorbisch.

1954 kamen weitere 20 min Sendezeit in Niedersorbisch dazu.

Am 30.04.2013 24:00 Uhr wurde die letzte Mittelwellenfrequenz, 1.188 kHz = 253 m, des Rundfunksenders Reichenbach abgeschaltet.

Im RMorg gibt es weitere Informationen, Bilder und ein Video zu diesem Sender.


Quellen: [3], [4], [10], [62]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 24.02.2017