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Sender Königs Wusterhausen

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Königs Wusterhausen
Funkerberg 1
1911             funktechnische Versuche mit mobilen Lichtbogensendern
15.06.1915
bis
1918
            Inbetriebnahme als Militärfunkstelle mit 4 Lichtbogensendern und Empfangseinrichtungen. Rufzeichen "LP".
22.12.1920
bis
24.01.1926
LW 85,7 kHz 3500,0   5 kW erste Übertragung eines Wehnachtskonzertes, Versuchssendungen, Sonntagskonzerte, Abendkonzerte, weitere Weihnachtskonzerte, Oper "Madame Butterfly" (08.06.1921)
von ???
25.12.1923
bis ???
LW 111,0 kHz 2700,0 Funk-Stunde   Relaisübertragung aus dem VOX-Haus
1926
bis ???
LW 75,0 kHz 4000,0   10 kW  
1926
bis ???
LW 96,8 kHz 3100,0   10 kW  
1926
bis ???
LW 107,1 kHz 2800,0   10 kW  
07.01.1926
bis
21.12.1927
LW 230,8 kHz 1300,0 Deutsche Welle / Deutschlandsender /

Funk-Stunde
20 kW werktags 15:00-20:00 Uhr "Deutsche Welle"
werktags ab 20:00 Uhr, Sonn-und Feiertags "Deutschlandsender"
Übergabe an Sender Zeesen
von ???
1931 - 1940
bis ???
LW 183,0 kHz 1634,9 Deutsche Welle / Deutschlandsender 75 kW lt. Prager Wellenplan 1931
von 12.1945
bis ???
LW ??? kHz   Berliner Rundfunk    
26.08.1946
1949
bis ???
LW 185,0 kHz 1620,5 Deutschlandsender 100 kW  
von ???
1947
bis ???
LW 217,5 kHz 1379,0      
von ???
1947
bis ???
LW 283,0 kHz 1060,0      
1947
bis ???
LW 191,0 kHz 1571,0 Deutschlandsender 100 kW  
von ???
1962
bis ???
LW 173,0 kHz 1734,0      
von ???
1962 - 1976
bis ???
LW 263,0 kHz 1141,0 Radio Volga / Radio Moskau 150 kW
(100 kW)
 
1926
bis ???
MW 441,2 kHz 680,0   10 kW  
von ???
bis ???
MW   kHz   Radio Berlin International   In den Abend- und Nachtstunden
von ???
1947
bis ???
MW 841,0 kHz 356,7 Berliner Rundfunk    
20.03.1949
bis ???
MW 782,0 kHz   Berliner Rundfunk 100 kW "Sender 21"
von ???
1954 - 1978
bis ???
MW

881,0
882,0

kHz 341,0 Radio DDR /
Radio DDR 1
20 kW
(100 kW)
"Berlin 2" von Juni 1954 bis 11.09. 1955
von ???
bis
01.08.1990
MW 603,0 kHz   Radio DDR 1 40 kW außerhalb der Sendezeiten der "Ferienwelle Rostock"
von ???
bis ???
MW 603,0 kHz   Ferienwelle Rostock 100 kW Ferienwelle Rostock vom 01.05. - 31.09. 5:00 - 20:00 Uhr
01.12.1945
bis
???
KW 6,042 MHz 49,62 Berlin Kurzwelle 5 kW  
von ???
bis
1990
KW 6,115 MHz   Stimme der DDR 100 kW  
12.1961
bis ???
KW ??? kHz   Radio Berlin International 100 kW Inbetriebnahme Sender Zwei Sneg-Sender, SU, im Parallelbetrieb
05.1962
bis ???
KW ??? kHz   Radio Berlin International 100 kW Inbetriebnahme Sender Zwei Sneg-Sender, SU, im Parallelbetrieb
12.1962
bis ???
KW ??? kHz   Radio Berlin International 100 kW Inbetriebnahme Sender Zwei Sneg-Sender, SU, im Parallelbetrieb
1968
bis ???
KW ??? kHz   Radio Berlin International 100 kW Inbetriebnahme Sender Sneg PB-100K, SU

Die Anfänge

1911 wurden auf dem damaligen Windmühlenberg von Königs Wusterhausen durch ein Luftschiffer- und Telegraphenbataillon mit mobilen Lichtbogensendern funktechnische Versuche durchgeführt. Als Aufhängepunkte für die Drahtseilantennen nutzte man Ballone und Drachen. Der Erfolg dieser Versuche war Grund dafür an dieser Stelle eine feste Militärfunkstation zu errichten.

     Quelle: [37]

Vermutlich Ende 1912/Anfang 1913 begannen dafür die Arbeiten.
Begonnen wurde mit einem Kasernenhauptgebäude, einem Stallgebäude, einer Reithalle, einem Kammergebäude, dem Funkstations- und Verwaltungsgebäude und dem Offizierscasino. Ebenso begann man mit dem Bau der Maste. Es waren 5 Stahlgittermaste mit einer Höhe von je 150 m als Träger der künftigen Antennenanlage und vier Holztürme mit einer Höhe von jeweils 30m. Diese dienten als "Kontertürme" der mechanischen Entlastung der Antennenanlage vor Einführung in das Stationsgebäude. Sie wurden später durch Stahlgittermaste ersetzt.
Da nach Beginn des 1. Weltkrieges verzögerten sich die Bauarbeiten. Es stieg jedoch die Notwendigkeit eine Vielzahl von Nachrichten zu übermitteln. Deshalb lies Rittmeister Egbert von Lepel zwei Baracken errichten um in diesen mit einem behälfsmäßig installierten Sender Funkversuche durchzuführen. Die Antenne hierfür wurde an einem, bereits fertiggestellten, 150-m-Mast mit einem Schrägdrahtluftleiter zur Sendebaracke geführt.
Die Funkversuche waren sehr erfolgreich und schafften einen großen Zeitgewinn. Die gesammelten Erfahrungen konnten für den Aufbau der Funkanlagen im Sendehaus 1 genutzt werden.

Sendehaus 1

Am 15.06.1916 ging der Sender Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg als eine der ersten Sendeeinrichtungen in Deutschland als "Zentralfunkstelle des Heeres" mit 4 Sendern und Empfangseinrichtungen in Betrieb.


Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 4]

Die Station unterstand während des 1. Weltkrieges der obersten Heeresleitung und diente hauptsächlich dem Verkehr mit dem neutralen Auslande, den verbündeten Ländern und der Verbreitung der Heeresberichte.

Die Funkstation erhielt das Rufzeichen "LP" nach dem ersten Stationsführer Major von Lepel.

Während des 1. Weltkrieges wurden mit einem Lichtbogensender Heeresberichte durch die deutsche Militärverwaltung übertragen. Es gab Funkverbindungen zu den sogenannten Festungsfunkstellen in Metz, Straßburg, Köln und Graudenz. Über diese Festungsfunkstellen wurde die Verbindung zu den Luftschiffen und Aufklärungsagenten aufrecht gehalten. Von hier hörte man auch den gegnerischen Funkverkehr ab, warnte bei Luftangriffen und unterstützte den Feldfunkverkehr.

Zur Abwicklung des umfangreichen Verkehrs waren neben zwei Lorenz-Lichtbogensendern mit 5 und 32 kW Antennenleistung noch zwei Telefunken-Tonfunksender mit 5 und 70 kW Antennenleistung vorhanden.


70-kW-Telefunken-Tonfunksender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 4]

Zu dieser Zeit fungierte die Funkstelle im Wechsel sowohl für Sende- als auch Empfangszwecken (entweder / oder). Die Anlagen mussten dafür mit jeweils kurzen Pausen umgeschaltet werden.
Als Empfänger dienten sogenannte Sekundärempfänger und Zellenempfänger.

Ursprünglich waren nur 5 Maste von je 150m Höhe vorhanden, die zwei langgestreckte Flächenantennen trugen. Diese konnten Beide oder einzeln auf einen Sender oder Empfänger geschaltet werden. Obwohl 4 Sender zur Verfügung standen war es jedoch nur möglich jeweils nur einen Sender oder Empfänger zu betreiben.


Schematische Darstellung der ersten Antennenanlage für Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 5]

Da auf dem Mühlenberg (Funkerberg) das Grundwasser erst in 60-70 m Tiefe vorkam wurden etwa 200 Kupferleitungen strahlenförmig vom Stationsgebäude aus in ca. 60-70 cm Tiefe verlegt und das ganze Netz galvanisch verbunden.


Schematische Darstellung des Erdnetzes für Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 5]

Neben den militärischen Aufgaben wurden von der Sendestelle Königs Wusterhausen auch Telegramme auf der Grundlage des Morsealphabetes ins Ausland versandt.


Die Militärfunkstation kurz nach der Inbetriebnahme 1916. Links die beiden Baracken aus denen Rittmeister Lepel (wie oben erwähnt) sendete.
Quelle: [37]

Im April 1917 wurden erste Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik durchgeführt. Hieran beteiligt waren der Physiker Alexander Meißner und der Ingenieur Dr. Hans Bredow. Es folgte jedoch ein Befehl durch die damaligen militärischen Vorgesetzten "diesen Unfug zu unterbinden".

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges veränderte sich die Aufgabe der Hauptfunkstelle erheblich, hin zur zivilen Nutzung. Dies waren der Wirtschaftsfunk, der telegrafische Funkverkehr mit dem In- und Ausland, Telegrafieverbindungen für Wirtschaft und Presse und Telefonverbindungen über Funkwellen.

Am 29.09.1919 wurde die Hauptfunkstelle Königswusterhausen von der Deutschen Reichspost- und Telegraphenverwaltung übernommen.

Es war eine Erweiterung der technischen Anlagen erforderlich. Die Gesamtleitung hierfür übernahm Dr. Hans Bredow (jetzt Staatssekretär im Reichspostministerium). Die direkten Umbauarbeiten leitete Oberpostrat Dr. Harbich vom Telegraphentechnischen Reichsamt.

So wurden Röhrensender aufgebaut, die Empfangsanlagen nach Berlin-Zehlendorf verlegt und die Antennenanlage um zwei weitere 100-Meter-Masten ergänzt.

Als erste Röhrensender stammten aus demontierten Kriegsschiffen der Kaiserlichen Marine.

Bis etwa 1919 diente die Hauptfunkstelle Königs-Wusterhausen sowohl zu Sende- als auch zu Empfangszwecken.
Danach wurden die zugehörigen Empfangsanlagen nach Zehlendorf ausgelagert. Dies hatte 2 Vorteile: Zum Einen konnten sich die Antennenanlagen in Königs Wusterhausen während des Sende- und Empfangsbetriebes nicht gegenseitig beeinflussen, Zum Anderen konnten die Sendeanlagen in KW besser ausgelastet werden, da bisher im Empfangsbetrieb "Funkstille" herrschte.

Sämtliche Telegraphiesender in Königs Wusterhausen wurden vom Haupttelegraphenamt Berlin aus getastet, wo sich auch die zur Empfangsanlage Zehlendorf gehörigen Aufnahmeapparate befanden. Ebenfalls wurden alle Telephoniesender, sowie der Groß-Rundfunksender von Berlin aus besprochen.

Um das Stromnetz in Königs Wusterhausen nicht weiter im Rhythmus der Morsezeichen schwanken zu lassen wurden neue Umformeranlagen gebaut. Da Gleichrichter dieser hohen Leistung damals noch nicht entwickelt waren mussten die Gleichspannungen für die Röhrensender noch mit rotierenden Umformern erzeugt werden.

Für Sender größerer Leistung waren im Sendehaus 1 als Kraftquelle 4 Dieselmotore mit je einem direkt gekuppelten Gleichstrom-Dynamo und zwar drei von je 100 kW und eine von 43 kW Leistung vorhanden. Das kleinere Aggregat wurde später durch ein größeres von 250 kW Leistung ersetzt.


Kraftanlage im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 12]

Die Hauptfunkstelle sollte jetzt für postalische und wirtschaftliche Zwecke im deutschen Inlandsverkehr zunächst nutzbar gemacht werden (Städtenetz).

Es wurden deshalb nach und nach 10 Telefunken-Zwischenkreis-Röhrensender mit je etwa 250 W Antennenkreisleistung eingebaut:


250-W-Telefunken-Zwischenkreis-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 6]


Senderaum mit 500- und 250-W-Telefunken-Röhrensendern im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 7]

Gleichzeitig mit dem Einbau dieser Sender wurde die Antennenanlage grundlegend umgebaut, was einige Schwierigkeiten verursachte, mussten die doch unter Berücksichtigung ganz anderer Gesichtpunkte während des Krieges errichteten fünf 150m-Maste jetzt zum Tragen viel kleinerer Antennen benutzt werden. Nach einigen vorbereitenden Versuchen entschloss man sich die Antennen folgendermaßen zu bauen:


Schematische Darstellung der zweiten Antennenanlage für Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 8]

Später wurde zu den vorhandenen fünf Masten noch ein weiterer 100-m-Mast errichtet und die Anlage erweitert:


Schematische Darstellung der dritten Antennenanlage für Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 8]

An den nun vorhandenen 6 Masten wurden zunächst 11 Antennen aufgebracht:


Antennenanlage mit den Niederführungen zum Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 8]

Alle Umbauten und Stationserweiterungen wurden ohne Betriebsunterbrechungen durchgeführt. An der neuen Antennenanlage arbeiteten alle zehn 25-W-Sender gleichzeitig in einem Wellenbereich zwischen 1.000 und 3.000 m. Es genügte zwischen zwei benachbarten kleinen Antennen schon eine Wellendifferenz von 5% um gegenseitige Beeinflussungen zu vermeiden.

Die ungefähren elektrischen Daten der Antennen waren folgende:


Quelle: [254, S. 7]

1920 wurden, gleichzeitig mit dem Einbau der 250-W-Telefunken-Sender, noch zwei 10-kW-Röhrensender aufgestellt. Diese Sender gehörten zu den ersten von Telefunken gebauten Röhrensendern größerer Leistung. Es waren fremdgesteuerte Zwischenkreis-Röhrensender mit Röhren für 4.000 V Anodenspannung und einem kontinuierlichen Wellenbereich von etwa 2.000 bis 8.000 Metern.
Der Betrieb der beiden Sender erfolgte aus Wechselstromumformern für Anode und Heizung getrennt. Die Gleichrichtung des hochtransformierten Anodenstromes geschah ursprünglich durch Quecksilberdampfgleichrichter.

Die beiden 10-kW-Sender waren einige Jahre für den deutschen Wirtschafts-Rundspruch der Eildienst GmbH und für den Telegraphieverkehr mit dem europäischen Ausland eingesetzt.


10-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 9]


Zweiter 10-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 9]

Ab 1920 fanden vom Sender Königs Wusterhausen erstmals reguläre Übertragungen von Tonaussendungen statt, zum Teil mit regelmäßigen Abendkonzerten. Es wurden Versuche zur Rundfunkübertragung mit Hilfe eines Lorenz-Lichtbogensenders aus Heeresbeständen unternommen. Dieser bekam eine Modulationseinrichtung. Für die Sprachaufnahmen wurden Kohlekörnermikrofone vom Telefon verwendet. Zur Schallplattenübertragung stellte man das Mikrofon vor den Trichter des Grammophons. Begonnen wurde mit Instrumentalmusik. Die Techniker der Hauptfunkstelle griffen zu Geige, Harmonium, Cello und Klarinette. Ein Zusammenspiel aller Instrumente klappte wegen der damals unbekannten akustischen Kopplung noch nicht.

Am 22.12.1920 wurde erstmals ein Weihnachtskonzert mit Instrumentalmusik und Gesang ausgestrahlt. Die Postbeamten sangen Weihnachtslieder. Von behördlichen Empfangsstationen aus Deutschland und von privaten Rundfunkhörern aus dem Ausland kamen begeisterte Zuschriften. Aus Deutschland kamen von privaten Rundfunkhörern keine Empfangsbestätigungen, privater Rundfunkempfang war noch bis 1923 offiziell verboten und auf "Schwarzhören" standen hohe Strafen. Bis zum 24. Januar 1926 wurden aus dem Senderaum der Hauptfunkstelle jeden Sonntag 11.00 Uhr ... 13.00 Uhr Sonntagskonzerte in Königs Wusterhausen produziert und gesendet.

Am 08.06.1921 erfolgte durch die C. Lorenz AG eine Rundfunkübertragung aus der Staatsoper Berlin. Gesendet wurde die Oper "Madame Butterfly". Jetzt hatte die Hauptfunkstelle einen Durchbruch in ihren Bemühungen der Funkübertragung erzielt.

Im November 1921 ging man dazu über, die Telefoniesender von Königs Wusterhausen über Fernleitungen zu modulieren.

1922 wurde aus Gründen größtmöglichster Betriebssicherheit für die beiden Sender eine 30 kW, 4.000 V Gleichstrom-Hochspannungsmaschine eingebaut. Die Schaltung war derart gewählt, dass jeder der beiden Sender wahlweise mit Quecksilberdampfgleichrichter oder Gleichstrom-Hochspannungsmaschine arbeiten kann.

Der steigende Verkehr im Inland als auch mit dem Auslande bedingte das Einsetzen weiterer Sender und den Bau neuer Antennen.
So wurde 1922 ein neuer 5-kW-Zwischenkreis-Röhrensender eingebaut:


5-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 10]

Der Sender war fremdgesteuert und arbeitete mit Röhren für 10.000 V Anodenspannung. Der Wellenbereich betrug 1.000 bis 5.000 m, der Betrieb erfolgte aus Umformern und zwar wiederum für Anode und Heizung getrennt. Die Gleichrichtung erfolgte mit Hochvakuum-Gleichrichtern.


Prinzipschaltbild des 5-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 10]

Gleichzeitig musste auch jetzt wieder die Mast- und Antennenanlage erweitert werden. Dies geschah durch Aufstellen eines neuen 100-m-Mastes und Umbau der Antennenanlage.
Die neu hinzugekommenen beiden T-Antennen zwischen Mast II und IV bzw. III und V waren etwa 190 m lang und 10 m breit. Sie hatten eine Kapazität von etwa 3.500 cm und eine Eigenwelle von etwa 1.800 m.


Schematische Darstellung der Mast- und Antennenanlage des Sendehauses 1 nach der Erweiterung 1922
Quelle: [254, S. 11]

Der steigende Inlandverkehr bedingte das Einsetzen weiterer kleiner Sender. Es wurden fünf 500-W-Sender neu eingebaut:


500-W-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 11]

Der steigende Auslandsverkehr bedingte den weiteren Ausbau der Station. Größere Sender und vor allem die dazugehörigen großen Antennen ließen sich im Haus 1 mit seiner beschränkten Mastanlage nicht mehr unterbringen.
Es wurde deshalb ein neues zusätzliches Stationsgebäude 2 errichtet, in dem Röhrensender größerer Leistung zum Schnelltelegraphiebetrieb mit den entferntesten Stationen des europäischen Auslands aufgestellt waren (siehe weiter unten).

Anfang 1922 waren Telefongespräche von Berliner Anschlüssen über Funk möglich.

Weihnachten 1922, beim 3. Weihnachtskonzert, verwendeten die Techniker Telefonhörer als Mikrofone. Der Klang verbesserte sich dadurch sehr. Dies war der Anfang des dynamischen Mikrofons.

     Quelle: [37]

1923 verbesserte man die Schallplattenübertragungen in dem ein Telefonhörer mit einer Grammophonnadel an der Membrane zur direkten Abtastung der Schallplatte genutzt wurde. Die Schallplattenübertragungen wurden dadurch viel besser.

Im Juli 1923 begannen regelmäßige Sonntagskonzerte über den Sender Königs Wusterhausen. Die Konzerte, jeweils von 11 bis 13 Uhr, finden in ganz Europa begeisterte Zuhörer. Erst am 24. Januar 1926 wurden die Versuchssendungen eingestellt.

Am 25.12.1923 wurde das Programm "Funkstunde" des Voxhauses aus Berlin von Königs Wusterhausen als Relais ausgestrahlt.

1924 bedingte der zunehmende Auslandsverkehr die Aufstellung eines weiteren 5-kW-Telefunken-Röhrensenders im Sendehaus 1, der in elektrischer und konstruktiver Hinsicht dem aus dem Jahre 1922 entsprach.
Da sich jedoch herausstellte, dass diese Leistung nicht ausreichte wurde er später durch einen 10-kW-Röhrensender ersetzt.

Gleichzeitig stabilisierte sich die deutschen Währung, dadurch lies der Inlandsverkehr nach und ein Teil der eingebauten 15 kleinen Sender wurden nach und nach überflüssig und ausgebaut. Auf dem freiwerdenden Platz wurde der 10-kW-Sender aufgestellt.

Der freiwerdende 5-kW-Sender fand in der Küstenfunkstelle Norddeich eine weitere Verwendung. Norddeich gehörte ebenfalls zur Reichspost- und Telegraphenverwaltung.

Der 10-kW-Röhrensender war ebenfalls ein fremdgesteuerter Zwischenkreissender, ausgerüstet mit einer dämpfungsschwachen Hochfrequenzendspule. Im Übrigen entsprach er in seinem elektrischen und äußeren Aufbau dem 5-kW-Sender.


3. 10-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1 Vorderansicht
Quelle: [254, S. 12]


Rückansicht des 3. 10-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 13]

Die Antennenanlage musste wiederum den neuen Verhältnissen entsprechend umgebaut werden.


Neuanordnung der Antennenanlage des Sendehauses 1
Quelle: [254, S. 14]

Aus der folgenden Aufstellung sind die ungefähren mechanischen und elektrischen Abmessungen der Antennen des Sendehauses 1 zu ersehen:


Quelle: [254, S. 13]

Zur Bewältigung des steigenden Telephonieverkehrs und als Reserve oder Ersatz für einen der beiden ältesten 10-kW-Sender wurde ein dem damaligen Stande der Technik entsprechender 4. 10 kW Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1 eingebaut. Dieser Sender arbeitete anodenseitig aus einer 4.000-V-Hochspannungsmaschine. Den Heizstrom für die Röhren lieferte eine Gleichstrommaschine. Sein äußerer Aufbau ist ähnlich dem 3. 10-kW-Sender.


Prinzipschaltung des 4. 10-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 1
Quelle: [254, S. 14]

Im Sendehaus 1 waren 1924 folgende Telefunken-Röhrensender in Betrieb:

1 10-kW-Sender (10.000 V)
3 10-kW-Sender (4.000 V)
1 5-kW-Sender (10.000V) sowie
mehrere kleine Sender.

Im Laufe der Zeit wurden infolge der Verringerung des Inlandsverkehrs im Sendehaus 1 weitere kleine Sender ausgebaut. Infolgedessen musste die Mast und Antennenanlage vereinfacht werden. Hier der Stand um 1928:


Antennenanlage des Sendehauses 1
Quelle: [254, S. 14]

Sendehaus 2 und 3

Der steigende Auslandsverkehr bedingte den weiteren Ausbau der Station. Größere Sender und vor allem die dazugehörigen großen Antennen ließen sich im Haus 1 mit seiner beschränkten Mastanlage nicht mehr unterbringen.
Es wurde deshalb ein neues zusätzliches Stationsgebäude 2 errichtet, in dem Röhrensender größerer Leistung zum Schnelltelegraphiebetrieb mit den entferntesten Stationen des europäischen Auslands aufgestellt waren.

1922 begannen die Bauarbeiten für das Sendehaus 2.

Zeitgleich entstand hierfür eine neue zusätzliche Antennenanlage und ein Erdnetz.

Die erste Antennenanlage bestand aus vier 210-m-Masten und einem weiteren verstärkten 210-m-Mast. Alle fünf Masten waren nach 4 Seiten fünfmal übereinander abgespannt und vom Erdboden isoliert. Die Antennen waren Flächenantennen.

Das Erdnetz bestand aus 10 mm² starkem Kupferdraht, 60 cm tief. Es bildete Quadrate von 35 m Seitenlänge, war untereinander verbunden und oberirdisch als Betriebserde zu den Sendern geführt.

Gem. [254] wurde die Ausführung der gesamten Antennenanlage Telefunken übertragen während das Erdnetz von der Reichspost- und Telegraphenverwaltung verlegt wurde.
Jedoch wird von Telefunken nicht erwähnt, dass der Mittelmast zuerst ein 210-m-Mast war welcher erst 1925 durch einen 243 m hohen freistehenden Turm von der Firma Honnef ersetzt wurde. Ein, zur damaligen Zeit, weltweit einmaliges Bauwerk.

1923 war Inbetriebnahme des Sendehauses 2.


Sendehaus 2
Quelle: [254, S. 15]

Zum Einsatz kamen vier 20- bis 40-kW-Telegraphiesender für den Auslandsverkehr. Es handelte sich dabei um zwei Röhrensender, einen Maschinensender und einen Lichtbogensender.[256, S. 16] (Hersteller unbekannt - nicht Telefunken)

Zum Betrieb der Sender im Haus 2 stand 220-V-Gleichstrom zur Verfügung, der aus Drehstrom von der Überlandzentrale nach Umspannung über einen Transformator 6.000/150 V mittels Einankerumformer erzeugt wurde. Es waren drei Einankerumformer mit zusammen etwa 600-kW-Gleichstromleistung vorhanden.

1924 reichten die bisherigen 4 Sender nicht mehr aus und das Haus 2 wurde um weitere Sender erweitert. Es handelte sich um zwei 50-kW-Telegraphie-Röhrensender von der Firma Lorenz.

Da absehbar war, dass bisherigen 2. Sendehäuser den erhöhten Ansprüchen nicht gerecht werden können wurde bereits Anfang 1924 mit dem Bau eines 3. Sendehauses für leistungsstarke Telefoniesender begonnen und noch im gleichen Jahr in Betrieb genommen.


Sendehaus 3
Quelle: [254, S. 3]

Hierfür musste auch die vorhandene Antennenanlage erweitert werden.
Der zentrale Mittelmast vom Haus 2 von 210 m Höhe war zu schwach um weitere Antennen tragen zu können. Es sollten noch zwei weitere 210 m hohe Masten gebaut werden.

Die Deutsche Reichspost beauftragte die "Honnef-Werke AG" in Dinglingen/Baden mit dem Aufbau eines 243 m hohen freistehenden Turmes als Ersatz für den Mittelmast. 1924 war Baubeginn [256].

Ende 1924 konnte der erste 20-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 2 dem Betrieb übergeben werden.


20-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 2 (Vorderansicht)
Quelle: [254, S. 18]


Rückansicht des ersten 20-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 2
Quelle: [254, S. 18]

1925 wurden der 243 Meter hohe Mittelturm (im Volksmund "der Dicke"), ein freistehender Stahlfachwerkturm und abgespannte Stahlrohrmaste, davon 2 mit einer Höhe von 100 m, 5 mit einer Höhe von 150 m und 6 mit einer Höhe von 210 Meter, in Betrieb genommen. Während der gesamten Bauzeit wurde der laufende Funkverkehr nie unterbrochen. Ursprünglich war vorgesehen auf dem Mittelturm zusätzlich einen Vertikalstrahler aufzusetzen. Dies scheiterte aber letztlich an den Nachkriegsauflagen. Deutschland war es im Gefolge des ersten Weltkrieges u. a. untersagt, Gebäude zu errichten, die die Höhe des Eiffelturmes übertroffen hätten. Und dies wäre dann der Fall gewesen.

Gem. [254] wurde die Antennenanlage von fünf Masten getragen, einem freistehenden Spitzmast von etwa 243 m Höhe und vier abgespannten Eisengittermasten von je 210 m Höhe. Die folgenden Bilder zeigen jedoch schon 5 Maste um den Mittelturm:


Mastanlage des Sendehauses 2
Quelle: [254, S. 16]


Schematische Darstellung der Mast- und Antennenanlage des Sendehauses 2
Quelle: [254, S. 17]

Die fünf Masten trugen im Ganzen drei Dreiecksflächenantennen. Jede dieser Antennen bestand aus zwei voneinander isolierten, im Ganzen also sechs Antennenteilen (Q, P1, P2, Q1, Q2, R). Jeder Teil hatte eine eigene Niederführung, sodass ein halbes Segment allein benutzbar war oder zwei parallelgeschaltet werden konnten. Zwischen den Masten 4 und 5 soll noch ein halbes Segment aufgebracht worden sein damit alle, im Sendehaus 2 befindlichen, Sendeantennen eine möglichst große Kapazität erhielten.
Die Kapazität eines ganzen Segmentes betrug etwa 11.000 cm, die eines halben etwa 6.000 cm.
Die Eigenwelle betrug etwa 3.400 bzw. 3.100 m, die effektive Höhe etwa 150 m. Die Antennensegmente waren am Spitzmast starr befestigt, während sie an den äußeren Masten mit Aufzugsseilen verbunden waren, die über schwenkbare Rollen in die Mastspitzen liefen.

Als Erde wurde ein engmaschiges eingegrabenes Kupferdrahtnetz gewählt, auf das der Strom durch oberirdische Zuleitungen mit zahlreichen Anschlusspunkten verteilt wurde.


Erdnetz des Sendehauses 2
Quelle: [254, S. 17]

Für das Sendehaus 3 wurde die Antennenanlage und das Erdnetz erweitert.
Es mussten weitere zwei 210 m hohe Maste (Mast 5 + 6) gebaut werden damit die Antennen für das Haus 3 von insgesamt 4 Masten getragen werden konnten. Der Mittelturm und Mast 1 wurde gemeinsam mit den Antennen für Haus 2 genutzt.


Mastanlage Sendehaus 3
Quelle: [254, S. 25]


Schematische Darstellung der Mast- und Antennenanlage des Sendehauses 3
Quelle: [254, S. 26]

Die vier T-Antennen hatten, im Gegensatz zu den Antennen für Haus 2, verhältnismäßig kleine mechanische und elektrische Abmessungen, eine Folge der verhältnismäßig kleinen Wellen mit denen die Telephoniesender im Wellenbereich von 1.000 - 4.000 m arbeiteten. Die zu jedem Sender gehörende Antenne war der betreffenden Wellenlänge angepasst. Durch eine Ringleitung im Senderaum war die Möglichkeit geschaffen, jede beliebige Antenne auf einen Reservesender zu schalten.
Die ungefähren mechanischen und elektrischen Abmessungen sind aus folgender Tabelle zu erkennen:


Quelle: [254, S. 25]

Anfangs kamen vier 10-kW-Telegrafie-Röhrensender (Hersteller unbekannt) für den Eildienst, den Wirtschaftsfunkdienst und den Pressefunkdienst zum Einsatz.

Damit elektrische Störungen soweit als möglich von den Telephoniesendern ferngehalten werden besaß Haus 3 keine eigene Kraftzentrale, sondern bezog den zum Antrieb der Umformer erforderlichen Gleichstrom von 220 V aus den Häusern 1 und 2.


Umformerraum des Sendehauses 3
Quelle: [254, S. 27]

Ende März 1926 wurde der zweite 20-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 2 dem Betrieb übergeben.

Die beiden 20-kW-Sender hatten etwa die gleiche Schaltung. Ebenso war die Röhrenausrüstung etwa die gleiche, sie unterschied sich nur durch die Type der Hochvakuum-Gleichrichter.

Der Betrieb der beiden Sender erfolgte aus Einphasen-Wechselstrom Umformern für Anode und Heizung getrennt.

Der Wellenbereich dieser Sender betrug etwa 3.000 bis 8.000 m, der Anodenstrom bei den günstigen Wellen über 100 A.

In der Zeit vom 01.09.1926 bis Ende 1927 führte das "Telegraphische Reichsamt" Kurzwellen-Versuchssendungen in Königs-Wusterhausen durch. Zum Einsatz gelangt ein 250-W-Telefunken-Sender.

1926 wurde das Sendehaus 3 fertig gestellt.

Der Platz reichte für die weitere technische Entwicklung am Standort Funkerberg nicht mehr aus.

Ende 1926 wurde aus diesem Grund mit dem Bau einer neuen großen Funkstation in Zeesen begonnen. Dort entstanden weitere Anlagen, wie der Deutschlandsender II und ein Kurzwellensender. Der "Deutschlandsender" sendete ab dem 22.12.1927 vom 120-kW-Sender im Haus 4 in Zeesen (siehe dort).

Am 20.11.1928 führt die deutsche Reichspost probeweise erste Bildfunkübertragungen über ihren Sender Königs Wusterhausen mit Hilfe eines Fultographen durch. Sie testet damit eine Vorstufe in der deutschen Geschichte des Fernsehens.

Im September 1927 wurde ein 60-kW-Telefunken-Röhrensender im Sendehaus 2 dem Betrieb übergeben. Dieser Sender dürfte der derzeit stärkste und modernste Langwellen-Röhrensender auf dem Kontinent gewesen sein.
Der Sender war gegenüber den 20-kW-Sendern aufgestellt. Der Hochfrequenzteil nahm eine Fläche von etwa 12 x 7 m ein. Die Gleichrichteranlage war rechts seitlich in einem Kellerraum untergebracht.

Die zum Betrieb des Senders erforderlichen Maschinen und Schaltelemente waren in dem links neben dem Sender befindlichen Raum aufgestellt.

Als Antenne wurden zwei Halbsegmente mit zusammen 11.000 cm Kapazität benutzt. Zwecks Erzielung eines gleichmäßigen Erdpotentials war unter dem Sender ein mit der Stationserde verbundenes Kupferrohrnetz verlegt. Der Wellenbereich des Senders in Verbindung mit zwei Halbsegmenten als Antenne betrug 3.000 bis 10.000 m. Im Antennenkreis flossen bei den günstigsten wellen etwa 175 A. Das entsprach bei einer effektiven Antennenhöhe von 150 m einer Strahlungsleistung von über 26.000 Meter Amp., also einer Leistung, die für einen sicheren Schnelltelegraphieverkehr mit den entferntesten Ländern Europas und darüber hinaus zu jeder Jahreszeit vollauf genügt.

Die einzelnen Teile der Sendeanlage waren nicht in Rahmenkonstruktion gebaut, sondern standen frei im Raum und waren zweckentsprechend organisch aneinandergereiht.
Der Sender war vorn durch eine Schalttafelfront aus Eisenkonstruktion abgeschlossen, in die die zur Bedienung der Anlage erforderlichen Messinstrumente, Schalter usw. eingebaut waren.

Der Sender war ein dreistufiger, fremdgesteuerter Zwischenkreisröhrensender, der außer mit einem Zwischenkreis zwecks größtmöglichster Unterdrückung der Oberwellen noch mit einem Sekundärkreis ausgerüstet war. Die Sendeanlage hatte wegen ihrer außerordentlich verlustarmen Spulen und Kondensatoren den hohen Wirkungsgrad von 50%, bezogen auf den Gesamtstromverbrauch aus dem Netz.

Die Sendestufe I war eigenerregt und hatte induktive Gitterkopplung. Sie war mit einer 400-W-Röhre für 2.000 V Anodenspannung ausgerüstet.
Die Anodenspannung lieferte ein Hochspannungsumformer, der gleichzeitig auch die 4.000 V Anodenspannung für die Röhren der Sendestufe II erzeugte.


Hochspannungsumformer
Quelle: [254, S. 19]

Die Heizung für die Röhren der Sendestufen I und II erfolgte aus Batterien, aber nur aus dem Grunde, weil diese Batterien auf der Station vorhanden waren. Normalerweise wurden derartige Sender aus einer Gleichstrommaschine geheizt.

Die Sendestufe II war mit zwei Röhren von je 1,5 kW Leistung, 4.000 V ausgerüstet. Die elektrische Dimensionierung der Sendestufen I und II war gleich nur mit dem Unterschied, dass eine besondere Schaltung in der Sendestufe II Rückwirkungen auf die Sendestufe I vermied.


Sendestufen I und II des 60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2
Quelle: [254, S. 20]

Die Sendestufe III (Endverstärker) war mit drei parallel geschalteten wassergekühlten Röhren von je 2 kW Leistung, bei 12.000 V Anodenspannung ausgerüstet. Die Heizung dieser Röhren erfolgte direkt aus dem Drehstromnetz über einen entsprechenden Transformator und zwar lag in jeder Phase eine Röhre. Die Hochfrequenzkreise der Sendestufe III bildeten gleichzeitig den Zwischenkreis. Zwischen Zwischenkreis und Antennenverlängerung war der Sekundärkreis zur Unterdrückung der Oberwellen geschaltet.

Eine kleine 1.000 V Hochspannungsmaschine lieferte die negative Gittervorspannung für die wassergekühlten Röhren.


60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2 (Vorderansicht)
Quelle: [254, S. 21]


60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2 (Innenansicht)
Quelle: [254, S. 22]


60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2 (Innenansicht)
Quelle: [254, S. 23]

Zur Erzeugung der Anodenspannung von 12.000 V für die Senderöhren in der Sendestufe III diente eine Sechsphasengleichrichteranordnung mit sechs wassergekühlten Hochvakuum-Gleichrichterröhren.
Die Heizung der Gleichrichterröhren erfolgte ebenfalls direkt aus dem Drehstromnetz über einen Transformator.


60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2 - Gleichrichteranlage
Quelle: [254, S. 24]

Der Sender diente nur zu Telegraphiezwecken, konnte aber auch unter Benutzung eines geeigneten Verstärkers sofort als Telephoniesender verwendet werden. Zu diesem Zweck waren bereits die notwendigen Modulationsröhren eingebaut.

Um den erheblichen Spannungsanstieg, der in den Tastpausen durch Entlastung der Gleichrichter entstand, zu mildern, war der Sender mit einem sogenannten Lastausgleich ausgerüstet. Dieser bestand aus einem luftgekühlten Drahtwiderstand und zwei wassergekühlten Röhren für die Aufnahme einer Dauerlast von etwa 30 kW.
Mit Hilfe dieser Röhren wurde während der Tastpausen die überschüssige elektrische Energie in den vorerwärmten Widerstand geleitet. Für den Umschaltvorgang wurde kein besonderes Tastrelais benötigt. Stattdessen wurde mit Hilfe einer besonderen Kopplungsspule dem Kopplungstransformator des Zwischenkreises eine gewisse Menge Hochfrequenzenergie entnommen und durch eine kleine Gleichrichterröhre gleichgerichtet. Die dadurch entstandene Gleichspannung von etwa 1.000 V wurde während der Tastung des Senders automatisch dem Gitter der Lastausgleichsröhren zugeführt und sperrte den Stromfluss nach dem Widerstand des Lastausgleichs ab. Die Lastausgleichsröhren und die kleinen Gleichrichterröhren wurden aus dem Drehstromnetz geheizt.


60-kW-Telefunkensenders 1927 im Haus 2 - Lastausgleich
Quelle: [254, S. 24]

Für die Kühlung der wassergekühlten Röhren und Gleichrichter war eine besondere Rückkühlanlage mit einer stündlichen Umlaufmenge von etwa 5 m³ vorhanden.

1928 waren an Telefunken-Röhrensendern ein 20-kW- und zwei 10-kW-Sender eingebaut. Die angegebenen Leistungen bedeuten Telegraphiestrichleistung im Antennenkreis. Die entsprechenden Telephonieruhestromleistungen betrugen 5 bzw. 2,5 kW. Alle drei Sender waren Zwischenkreis-Telephoniesender.
Der 5-kW-Langwellen-Telephoniesender diente seit dem 07.01.1926 bis zur Inbetriebnahme des Senders Zeesen als "Deutschlandsender" (Deutsche Welle). Dieses Programm wurde bis zum 21.12. 1927 gesendet.
Er übertrug ebenfalls des Berliner Rundfunksenders (Funk-Stunde).
Sein konstruktiver Aufbau war ähnlich dem der neueren 10-kW-Sender im Haus 2.

Die beiden anderen Telephoniesender von je 2,5 kW Telephonieruhestromleistung waren ebenfalls in Konstruktion und Schaltung ähnlich diesem Sender.
Sie wurden für die Verbreitung von Nachrichten verschiedener Nachrichtenbüros eingesetzt.

Die Speisung der Anodenkreise aller drei Sender geschah mit Hilfe von Umformern. Die Heizung der Gleichrichter wurde ebenfalls durch besondere Umformer gewährleistet.
Die Steuer- und Hauptschwingröhren wurden aus Gleichstrommaschinen geheizt.


Die drei, in einer Front von 28 m Länge aufgebauten, Telephonie-Sender im Sendehaus 3
Quelle: [254, S. 27]

Die erforderlichen Vorverstärker für die Telephoniesender waren im Kellergeschoss des Sendegebäudes 3 untergebracht.


Die Vorverstärker für die drei Telephonie-Sender im Kellergeschoss des Sendehauses 3
Quelle: [254, S. 28]

Hier eine Gesamtübersicht der Antennenanlage (Maste und Antennen) der Sendehäuser 1 bis 3 in Königs Wusterhausen aus dem Jahr 1928:


Plan der Antennenanlagen der Sendehäuser 1 bis 3
Quelle: [254, S. 28]

1928 waren die Sender in Königs-Wusterhausen (einschließlich Zeesen) mit folgenden Röhren bestückt:


Röhrenbestückung SH 1 - 4
Quelle: [254, S. 38]

Am 20.11.1928 führt die deutsche Reichspost probeweise erste Bildfunkübertragungen über ihren Sender Königs Wusterhausen mit Hilfe eines Fultographen durch. Sie testet damit eine Vorstufe in der deutschen Geschichte des Fernsehens.

Die Sendeanlagen auf dem Funkerberg überstanden den 2.Weltkrieg fast völlig unversehrt. Große Teile der Sendeanlagen wurden für Reparationsleistungen demontiert. Allerdings wurden auf dem Funkerberg auch einige neue Sender installiert.

Im Juni 1945 ging ein 20-kW-Kurzwellensender für militärische Zwecke in Betrieb.

Ab November 1945 wurde über einen weiteren Kurzwellensender der "Berliner Rundfunks" ausgestrahlt.

Ab Dezember 1945 wurde der "Berliner Rundfunk" zusätzlich über einen Langwellensender im Haus 3 abgestrahlt.

Am 26.08.1946 ging ein weiterer Langwellensender (100 kW) im Haus 3 in Betrieb. Dieser übernahm (wieder vom Standort Königs Wusterhausen) die Ausstrahlung des "Deutschlandsenders" da die Sendeanlagen Zeesen ebenfalls unter Reparation fielen. Er diente noch bis 1992 als so genannter Wartungssender als Reserve für den Sender Zehlendorf für das Programm "Deutschlandradio Berlin".

1947 wurde die Diesel-Netzersatzanlage des Senders Brocken abgebaut und zum Sender Königs Wusterhausen umgesetzt. [141]

Am 16.12.1948 wurden die Antennenanlagen des Senders Berlin-Tegel durch die französische Militäradministration gesprengt. Damit war der "Berliner Rundfunk" ohne funktionsfähige Mittelwellen-Sendeanlage. In drei Tagen wurde von Spezialisten mit Unterstützung und Mitarbeit von Ingenieuren der sowjetischen Besatzungsmacht die, heute als "Sender 21" bezeichnete, Sendeanlage in Tegel demontiert und in das dafür umgerüstete Sendehaus 2 des damaligen Funkamtes Königs Wusterhausen eingebaut. Der Einbau der Tegeler Anlage an ihrem neuen Platz vollzog sich innerhalb von dreieinhalb Monate. Daran arbeiteten zeitweise bis zu 350 Menschen unter Leitung des sowjetischen Ingenieurs Oberstleutnant Panasjuk.


Sender 21 im Sendehaus 2
Quelle: [37]

Am 20.03.1949 konnte die neue Sendeanlage für den "Berliner Rundfunk" den Sendebetrieb wieder aufnehmen. Der 100 kW-Telefunken- "Sender 21" war noch bis 1989 in Betrieb.

Am 07.10.1949 wurde über den Mittelwellensender 21 die Nachricht von der Gründung der DDR in "alle" Welt gesendet.
Zur Erhöhung der Betriebssicherheit wurde der Sender später teilweise modernisiert.

Am 15.11.1972 stürzte der Mittelturm, der mit den 210 m Sendemasten eine T-Antenne trug, bei einem Orkan ein.

Nach 1990 wurde der Sendebetrieb zurückgefahren und im Sommer 1995 endgültig eingestellt.

1994 wurde noch ein 67 m hoher neuer Sendeturm errichtet welcher für Mobilfunkzwecke benutzt wird.

Auf dem Gelände des Senders Königs Wusterhausen, Haus 1, befindet sich heute das "Sender- und Funktechnikmuseum". Durch die Mitarbeiter des Fördervereins "Sender KW" e.V. wird liebevoll das Museum betrieben und die wertvolle alte Technik erhalten:

Ein 210 m hoher, mit zwei Langdrahtantennen ausgestatteter Sendemast (Mast 17) ist heute technisches Denkmal.

Zu besichtigen ist ein funktionstüchtiger 1000-PS-Dieselmotor der Firma Deutz aus dem Jahr 1937, der letzte seiner Art weltweit. Er diente zum Antrieb eines 6-kV-Generators zur Stromerzeugung für die Sendeanlagen und ist der einzige in einem Museum ausgestellte lauffähige Dieselmotor dieser Größe. Es gibt regelmäßige Vorführungen.

Auf dem Funkerberg befindet sich weiterhin eine Sammlung vollständig erhaltener Rundfunksender. So z.B. ein 20/5 kW Lorenz Sender in geschlossener Bauweise aus dem Jahr 1930 und ein 250-kW-Mittelwellensender SM 8/H1 in offener Bauweise der vom Sender Berlin-Köpenick hierher umgesetzt wurde.

Der noch intakte 100-kW-Mittelwellensender "Sender 21" steht auch heute noch unter Denkmalschutz. Er ist im Haus 2 in einem weitgehend originalen Zustand erhalten.

Die in offener Bauweise errichtete siebenstufige gitterspannungsmodulierte Sendeanlage verfügt über eine Leistung von 100 KW. Das einmalige technische Denkmal repräsentiert die Anfänge des röhrenbestückten und quarzkontrollierten Großsenderbaues. Der Sender stand auf der zentralen Denkmalliste der DDR. Zu DDR-Zeiten wurde über diesen Sender das Mittelwellenprogramm von Radio DDR 1 ausgestrahlt.

Hier eine sehr interessante Quelle:

Telefunken in Königs-Wusterhausen (1928)

TELEFUNKEN schreibt auf seinem Einband: "Veröffentlichung unter Quellenangabe gern gestattet"

Über 30 Jahre Kooperation TONFUNK Ermsleben 1959-1990     Quelle: [254]

Quellen: [10], [14], [37], [38], [254], [256]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 13.10.2021