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Sender Zeesen

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Zeesen
"Weltrundfunksender"
"Weltrundfunk Kurzwellensender"
"Olympiasender"
22.12.1927
bis
1939
LW 240,0 kHz 1249,1 Deutsche Welle / Deutschlandsender 30 kW Inbetriebnahme, Übernahme vom Sender Königs-Wusterhausen
werktags 15:00-20:00 Uhr "Deutsche Welle"
werktags ab 20:00 Uhr, Sonn-und Feiertags "Deutschlandsender"

Frequenzumstellung gem. Genfer Wellenplan

13.10.1928
bis
15.01.1934
LW 182,5 kHz 1633,7 Deutsche Welle / Deutschlandsender
30 kW
(32 kW)
(60 kW)
Inbetriebnahme, Übernahme vom Sender Königs-Wusterhausen
werktags 15:00-20:00 Uhr "Deutsche Welle"
werktags ab 20:00 Uhr, Sonn-und Feiertags "Deutschlandsender"
Ab 01.01.1933 nur noch "Deutschlandsender"
Frequenzumstellung gem. Genfer Wellenplan
15.01.1934
bis
19.05.1939
LW 191,0 kHz 1571,0 Deutschlandsender 60 kW
(150 kW)


Verlegung der Rundfunkausstrahlung nach Herzberg/Elster, nur noch Reservesender
26.08.1929
bis ???
KW 6.002,0 kHz 49,80 Deutsche Welle / Deutschlandsender 5 kW
8 kW
werktags 15:00-20:00 Uhr "Deutsche Welle"
werktags ab 20:00 Uhr, Sonn-und Feiertags "Deutschlandsender"
26.08.1929
1940
bis ???
KW 9.560,0 kHz 31,38   5 kW
8 kW
Großdeutscher Kurzwellensender
Rufzeichen DJA
1938 KW           19 Kurzwellenfrequenzen
1939
bis
04.1945
KW ??? kHz   Voice of Free Arabism (VFA)   in arabischer Sprache
1939
bis
04.1945
KW ??? kHz   Radio Berlin   in arabischer Sprache
1930 UKW 42,8 MHz 7,0      

Fernsehsender

Sendestation / Ort Art Zeit Norm Band / Kanal Bild MHz Ton MHz Raster MHz Programm Leistung Bemerkungen
Zeesen
"Weltrundfunksender"
"Weltrundfunk Kurzwellensender"
"Olympiasender"
Fernsehsender 20.11.1928
bis ???
   
 
 
 
Versuchssendungen   Versuche erster Bildfunkübertragungen mit Hilfe eines Fultographen
17.05.1930
bis ???
  LW
183,5 kHz
 
 
Versuchssendungen   Fernsehversuchssendungen
1930
bis ???
  VHF
42,80
 
 
Versuchssendungen   Fernsehversuchssendungen

Genau genommen gehörte dieser Sender zum Sender Königs-Wusterhausen.

Aus diesem Grund wurden auch die Sendehäuser weiter durchnummeriert (Sendehäuser 1 - 3 in Königs-Wusterhausen, Sendehäuser 4 - 6 in Zeesen)

Wegen seiner besonderen Bedeutung wird er aber hier gesondert dargestellt.

Von der Reichspost wurde das Gelände des luftfahrttechnischen Unternehmens Schütte-Lanz (Luftschiffbau und Flugplatz) zwischen der Reichsstr. 179 und den Orten Krummensee und Schenkendorf in Zeesen erworben.

Das Stationsgebäude war in südlicher Richtung etwa 4 km von der Hauptfunkstelle entfernt.
Der Telefunken-Gesellschaft wurde seinerzeit von der Reichspost- und Telegraphenverwaltung die Ausführung der gesamten Anlage, einschließlich der Gebäude, Maste usw. übertragen.

Ende 1926 begannen die Arbeiten. Dafür wurde eine Fläche von 300 x 700 Meter abgeholzt.


Gesamtanlage des Deutschlandsenders II Zeesen mit den beiden 210-m hohen Masten 1927
Quelle: [37]

Sendehaus 4


Gesamtansicht des Sendehauses 4
Quelle: [254, S. 29]


Seitenansicht des Sendehauses 4
Quelle: [254, S. 29]

Am 20.12.1927 erfolgte die Einweihung des Senders Zeesen. Das Sendehaus 4 wurde in Betrieb genommen.

Gesendet wurde ab dem 22.12.1927 mit einem 30-kW-Telefunken-Langwellen-Rundfunksender. Er diente als Ersatz für den im Sendehaus 3 (Königs-Wusterhausen) befindlichen Deutschlandrundfunksender, seine Leistung war jedoch etwa 6x größer.
Erster Leiter war Herr Erich Schwarzkopf.


Prinzipschaltbild des Senders
Quelle: [254, S. 37]

Die gesamte Starkstromanlage des neuen Senders war so ausgebildet, dass in kurzer Zeit eine 50%ige Leistungserhöhung des Senders vorgenommen werden konnte.

Die Baulichkeiten der Station bestanden aus einem Haupt- und einem Nebengebäude. Im Hauptgebäude war die gesamte Senderanlage, im Nebengebäude die Rückkühlanlage für die wassergekühlten Röhren und Gleichrichter untergebracht.

Die Antenne wurde von zwei abgespannten isolierten Eisengittermasten von je 210 m Höhe getragen, die in einem Abstand von 450 m aufgestellt waren.


Gesamtansicht eines Mastes
Quelle: [254, S. 30]

Die Antenne hatte eine Fünffach-T-Form mit einer Breite von 5 Metern. Die Eigenwelle war der Betriebswelle angepasst und zwar in der Weise, dass die Betriebswelle dem etwa 0,6-fachen Wert der Eigenwelle entsprach. Der Sender arbeitete vorerst mit der Welle 1.250 m. Kurz danach war aber auf Grund der Washingtoner Beschlüsse eine Wellenumstellung auf 1.649 m erforderlich. Da diese Frequenzen jedoch in keiner bekannten Senderliste aufgeführt sind wurden aber beide Sendefrequenzen vermutlich nie wirklich eingehalten.


Schematische Seitenansicht der Station
Quelle: [254, S. 31]

Als Erde diente ein eingegrabenes Erdnetz:


Stationsgrundriss mit Erdnetz
Quelle: [254, S. 31]

Zur Erzielung eines gleichmäßigen Erdpotentials war unter dem Sender ein 3mm-Kupferdraht- (Bronzedraht-) netz in einer Tiefe von 30 cm verlegt, das mit der Stationserde leitend verbunden war. Ferner war das Hallendach zwecks Abschirmung gegen die Einwirkung der Antenne auf den Sender mit einer Kupferblechbekleidung versehen, die ebenfalls leitend mit der Sender- und Stationserde verbunden war.

Die gesamte Senderanlage arbeitete vollautomatisch. Durch Betätigung eines Druckknopfpaares wurde die gesamte Anlage ein- oder ausgeschaltet.
Es war Vorsorge getroffen dass bei völligem oder teilweisem Versagen der Automatschalter alle Stationselemente auch einzeln von Hand betätigt werden konnte.

Die Station war an das Drehstromnetz der Märkischen Elektrizitätswerke von 6.000 V angeschlossen und bestand im Wesentlichen aus:

1. Der Starkstrom-Schalt- und Verteilungsanordnung
2. Der Hochspannungs-Gleichrichteranlage
3. Der Umformer- und Batterieanlage
4. Dem Hauptschaltpult
5. Dem Sender mit Besprechungseinrichtungen
6. Der Kühlanlage
7. Den sonstigen Hilfseinrichtungen

Die Anodenspannung von max. 12.000 V für die gesamte Hochfrequenzanlage wurde in einer Sechsphasen-Gleichrichteranordnung erzeugt, die direkt aus dem Drehstromnetz über einen Hochspannungstransformator gespeist wurde.
Zur Abflachung der Pulsation des von der Gleichrichteranordnung gelieferten Gleichstromes diente ein Beruhigungsglied bestehend aus Ausgleichskondensatoren und Tonbeseitigungsdrossel.
Die Gleichrichteranordnung enthielt sechs wassergekühlte Gleichrichter, die direkt aus dem Drehstromnetz über Transformatoren geheizt wurden.
Zur Konstanthaltung der Spannung diente ein in die Primärleitung geschalteter Drehtransformator und zur stufenweisen Einschaltung der Heizung ein Stufenwiderstand.


Teilansicht des Gleichrichterraumes
Quelle: [254, S. 32]

Für den Betrieb des Senders waren verschiedene Umformer erforderlich und zwar ein 220-V-Gleichstromgenerator für die Erregung der übrigen Umformer und Speisung der Hilfskreise, eine Gleichstromheizmaschine für die Röhren der Sendestufen I und II, ein Mittelfrequenzgenerator für die Heizung der Modulationsröhren und ein 750-V-Hochspannungsgenerator für die Gittervorspannung der Röhren in der Sendestufe III. Für alle Maschinen und Transformatoren waren Reserveeinheiten vorhanden.


Maschinenraum
Quelle: [254, S. 32]

Die vollautomatische zentrale Bedienung geschah von dem Schaltpult aus. Dieses befand sich vor der Sendeanlage.


Linke Hälfte des Senderaumes
Quelle: [254, S. 33]

Auf dem folgenden Bild sind rechts der Endverstärker und die Kontrollgeräte für die Besprechung des Senders aus Berlin über Kabel zu sehen.


Rechte Hälfte des Senderaumes
Quelle: [254, S. 33]


Schematische Aufsicht auf das Schaltpult zur zentralen Bedienung der Gesamtanlage
Quelle: [254, S. 36]


Hochfrequenzteil im Senderaum
Quelle: [254, S. 34]

Der Sender war dreistufig mit Zwischenkreis und Sekundärkreis. Die Modulation erfolgte in der Sendestufe II. Er war in offener Bauweise ausgeführt.
Die Sendestufe I war mit einer 2,5-kW-Röhre ausgerüstet, die Sendestufe II mit einer 20 kW wassergekühlten Röhre und die Sendestufe III mit sechs wassergekühlten Röhren gleichen Typs.
Der Sekundärkreis diente zur größtmöglichsten Herabminderung der Oberwellenausstrahlung. Die Kopplung zwischen Sekundärkreis und Antenne war kapazitiv.
Der Antennenkreis enthielt außer einem Variometer noch einen Verkürzungskondensator, der zur Erzielung eines möglichst hohen Antennenwirkungsgrades notwendig war.
Eine künstliche Antenne ermöglichte es die Station ohne Störung für Versuchs- und Abstimmzwecke in Betrieb zu setzen. Sie stellte eine getreue elektrische Nachbildung der natürlichen Antenne dar.
Die Heizung der Röhren in den Sendestufen I und II erfolgte aus einer Gleichstrommaschine, die der Sendestufe III direkt aus dem Drehstromnetz über einen Transformator geeigneter Leistung, und die der Modulationsröhren aus einer Mittelfrequenzmaschine. In die Heizleitungen für die Sendestufen waren Widerstände zur stufenweisen Einschaltung des Heizstromes geschaltet.

Für die Kühlung der wassergekühlten Röhren und Gleichrichter war im Nebengebäude eine Rückkühlanlage eingebaut. Sie war für einen stündlichen Wasserumlauf von 15 m³ dimensioniert. Die Kühlung des Wassers geschah durch einen Spezial-Luftkühler in Verbindung mit einem Exhaustor von 50.000 m³ stündlicher Fördermenge.


Teilansicht der Rückkühlanlage: links Ventilatorschlitze, rechts Exhaustor
Quelle: [254, S. 34]

Als Kühlwasser wurde Regenwasser benutzt welches auf dem Dach des Nebengebäudes aufgefangen und einem Bassin von 18 m³ Inhalt zugeführt wurde. Spezialkreiselpumpen sorgten für den Umlauf des Wassers in der Anlage.


Teilansicht der Rückkühlanlage: Kühlwasserpumpen
Quelle: [254, S. 35]

Die Besprechung des Senders erfolgte von Berlin aus über Kabel das über das Stationshaus 1 des Senders Königs-Wusterhausen geführt war. Die Gesamtlänge des Kabels betrug etwa 40 km. Am Sender befanden sich ein Endverstärker sowie die notwendigen Kontrollgeräte. Auf dem Bild "Rechte Hälfte des Senderaumes" (weiter oben) sind rechts der Endverstärker und die Kontrollgeräte zu sehen.
Die Heizung der Röhren im Endverstärker und in den Kontrollgeräten erfolgte aus Batterien, die Anodenspannung für den Endverstärker wurde aus einer 1.000-V-Gleichstrommaschine entnommen.

Für die Ladung der Batterien waren zwei besondere Ladeumformer und eine Ladeschalttafel vorgesehen. Einer der Umformer diente als Reserve.

Die Beleuchtung des ganzen Stationsgebäudes geschah aus dem Drehstromnetz. Bei Ausfall des Netzes wurde eine Batteriebeleuchtung automatisch eingeschaltet. Zur Ladung der Notbeleuchtungsbatterie diente ein besonderer Umformer mit Ladetafel.

Der Gesamtkraftverbrauch der Sendeanlage, einschließlich der Rückkühlanlage betrug etwa 145 kW bei voller Leistung des Senders (30 kW Ruhestromleistung).

Am 13.10.1928 erfolgte eine Frequenzumstellung aufgrund des neuen Genfer Wellenplanes.

Am 20.11.1928 führt die deutsche Reichspost probeweise erste Bildfunkübertragungen über ihren Sender Zeesen mit Hilfe eines Fultographen durch. Sie testet damit eine Vorstufe in der deutschen Geschichte des Fernsehens.

1928 waren die Sender in Königs-Wusterhausen (einschließlich Zeesen) mit folgenden Röhren bestückt:


Röhrenbestückung SH 1 - 4
Quelle: [254, S. 38]

Bereits 1928 plante Telefunken einen Kurzwellensender großer Leistung in das Stationshaus 4 einzubauen. Der Sender ist siebenstufig aufgebaut und hat Kristallsteuerung.


20-kW-Telefunken-Kurzwellensender
Quelle: [254, S. 37]

Zum Betrieb des Senders wurden Gleichstrom-Hochspannungsmaschinen (Anodenkreise) und Gleichstrom-Niederspannungsmaschinen (Heizkreise) eingesetzt.
Die Endstufe des Senders enthält zwei wassergekühlte Röhren von je 20 kW.

Auch dieser Sender wird von Berlin über Kabel besprochen. Es kommen ebenfalls ein Endverstärker mit erforderlichen Kontrollgeräten zum Einsatz.

Am 26.08.1929, nach 10-tägigen Probebetrieb, wurde offiziell der Kurzwellensender eröffnet. Aufgrund seiner, für damalige Verhältnisse großen, Reichweite wurde ihm jetzt der Name "Weltrundfunksender" bzw. "Weltrundfunk Kurzwellensender" gegeben. Bis 1945 war der Sender ein Standort der leistungsfähigsten Kurzwellenrundfunksender in dieser Zeit, wobei erstmals "Tannenbaumantennen" eingesetzt wurden.

Den ersten Kurzwellen-Sender errichtete Telefunken im Sendehaus 4 (Haus 1 bis 3 befanden sich in Königs Wusterhausen). Der Sender war siebenstufig aufgebaut und bestand aus dem Quarzoszillator, gefolgt von Verstärker- und Vervielfacher-Stufen. Die Endstufe enthielt bei der 5 kW Ausführung eine RS 225, bei der 8 kW Ausführung zwei RS 225. Sie wurden mit einer Anodenspannung von 10 kV betrieben. Die Modulation erfolgte in der Treiberstufe. Das Antennenteil war für den Frequenzbereich von 3 bis 20 MHz ausgelegt und diente zur Anpassung der bescheidenen, 75 m langen Eindraht-Vertikalantenne, die als Schrägdraht zum westlichen 210-m-Mast für den Deutschlandsender führte. Die Energieleitung vom Sender wurde an einfachen Telefonmasten zur Antenne geführt.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde dieser Sender demontiert.


Röhre RS 225
Quelle: [1]


Telefunken Kurzwellen-Sendeanlage
Quelle: [224, 1925 Heft 50 S. 12]



Senderhaus 4 und Richtstrahler
Quelle: [37]

Am 22.02.1930 wird der erste "Richtstrahler" in Betrieb genommen, der wegen seiner Konstruktion "Tannenbaum-Antenne" genannt wird. Diese Richtantenne besteht aus zwei hintereinander angeordneten Gruppen von vier nebeneinander und sechs übereinander angebrachten horizontalen Dipolen welche um den Turm herum angebracht wurden. Durch diese Dipolkombination erreichte man einen günstigen vertikalen Öffnungswinkel sowie einen Erhebungswinkel von 10°. Der Antennengewinn soll 9 dB betragen haben. Dies entsprach in der Hauptstrahlrichtung eine Verstärkung der Ausstrahlung auf etwa das 50-fache, so dass also ein 8 kW-Sender in seiner Wirkung im Zielgebiet etwa einem 400 kW-Sender gleichkam.

Im Februar 1930 wurde die Leistung des Langwellensenders (Deutschlandsender II) durch Parallelschalten weiterer Röhren in der Endstufe auf 32 kW verstärkt.

Am 17.05.1930 führt die Deutsche Reichspost mit dem Sender Zeesen auf 183,5 kHz weitere Fernsehversuchssendungen durch. Im gleichen Jahr werden erstmals Versuche im UKW- (VHF-) Bereich (42,8 MHz) durchgeführt.

Hörprobe Weltrundfunksender 1930:        Quelle: [unbekannt]

Am 30.05.1931 wurde die Leistung des Langwellensenders (Deutschlandsender II) durch den Einsatz der neu entwickelten Leistungsröhre RS 300 in der Endstufe auf 60 kW verstärkt.

Am 18.12.1931 wurde für den Kurzwellensender ein 70 Meter hoher Holzturm aus kanadischer Pechkiefer mit einer Rundstrahlantenne in 4 Ebenen in Betrieb genommen.


Der 70 m hohe Holzturm für die Kurzwellen-Sendeanlage aus dem Jahr 1931
Quelle: [37]

1932 bekam dieser Holzturm noch eine zweite Rundstrahlantenne um Tag und Nacht auf verschiedenen Frequenzen arbeiten zu können.

Am 22.01.1932 wurde die erste Richtantenne für Nordamerika in Betrieb genommen. Diese Antenne erzielte eine horizontale Bündelung von 30°. Der Leistungsgewinn betrug knappe 17 dB. Sie bestand aus einer Gruppe von 24 Dipolen plus Reflektoren.
Bis zum Jahr 1934 wurden durch die Firma Hein-Lehmann zehn derartige Richtantennen an elf Stahlgittertürmen von je 70 in Höhe angebracht. Sie waren teilweise richtungsumschaltbar und versorgten die Gebiete Nord-, Mittel- und Südamerika, Ostasien und Afrika im Frequenzbereich von 6 bis 17 MHz.


Strahlwerfantenne (Richtantenne) für den Kurzwellenverkehr
Quelle: [2, S. 8]


Nordamerikaantenne
Quelle: [2, S. 13]

Am 07.10.1932 machte ein Ferninterview aus Berlin nach Übersee für den Kurzwellensender Zeesen Schlagzeilen und die Kurzwelle populär.

Im Herbst 1932 kam noch ein zweiter quarzgesteuerter Sender der Firma Lorenz mit 5 kW für Sendungen nach Übersee hinzu. Er war achtstufig konstruiert, verwendete zwei Röhren RS 255 und war wie Sender 1 gittergleichstrommoduliert.


Röhre RS 255
Quelle: [1]

Für Nordamerika standen drei Richtstrahlantennen zur Verfügung.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde dieser Sender demontiert.

1935 nahm ein weiterer KW-Sender des Typs "Nauen" (Leistung 50 kW) mit einer Telefonieleistung von 12 kW seinen Betrieb auf. Dieser Sender arbeitete in der Endstufe mit zwei, im Gegentakt geschalteten, RS 257, einer Weiterentwicklung der bisher verwendeten RS 225. Als Besonderheit wies er eine Doppelausstattung mit Schwingkreisen (Variometer) auf, die vor einem Frequenzwechsel bereits umgestimmt werden konnten. Die Umschaltung zwischen Tag- und Nachtfrequenzen, sowie andere für die jeweils günstigste Ausbreitung geeignete Frequenzwechsel, erfolgten auf der Grundlage von Prognosen des Reichspostzentralamtes.


Der 3. Kurzwellensender im Sendehaus 4. Am Sender Herr Remke
Quelle: [37]

Mit diesem Sender war die Aufnahmekapazität des Sendehauses 4 erreicht. Eine Erweiterung der Sendeanlagen war nur durch den Bau weiterer Sendehäuser möglich.

Mit der Erweiterung übernahm die Leitung des Sendehauses 4 Herr Miethe. Erich Schwarzkopf übernahm die Leitung des neuen Sendehauses 5.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde die ersten beiden Kurzwellensender aus den Jahren 1929 und 1932 im Sendehaus 4 demontiert und durch einen, in Polen "erbeuteten" 50 kW-Sender ausgetauscht.

Sendehaus 5 und 6

1936 erfolgte, in Vorbereitung der Olympischen Spiele ein weiterer Ausbau der Sendestation. Das Gelände wurde auf eine Fläche von 190 Hektar vergrößert. Etwa 200 m von Sendehaus 4 entfernt wurden die Sendehäuser 5 und 6 gebaut. Diese hatten die Form eines Kreuzes. Sie bestanden u. a. aus je einem 500 m² großem Sendersaal.
Haus 5 wurde von Telefunken mit 4 Sendern ausgerüstet. Leiter dieses Sendehauses wurde Herr Hammer (später Leiter des "Deutschlandsender III in Herzberg/Elster).
Haus 6 wurde von Lorenz mit 4 Sendern ausgerüstet. Leiter dieses Sendehauses wurde Herr Erich Schwarzkopf.
Jeder der acht Sender hatte eine Trägerleistung von 40 kW.
Die Sender trugen die bekannte Bezeichnung "Olympia Sender". Eine Kombination von Parallel- und Gegentaktschaltung von vier Senderöhren des Typs RS 257 ermöglichte die hohe Sendeleistung.


Röhre RS 257
Quelle: [16, Udo Radtke]

Außerdem wurde die Anoden-B-Modulation angewandt. Die Sender waren siebenstufig aufgebaut und gestatteten Quarz- und VFO-Betrieb.


Der große Sendesaal im Haus 5 mit den Telefunken-Olympiasendern
Quelle: [37]


Richtstrahlantennen des Deutschen Kurzwellensenders Zeesen 1936
Quelle: alte QSL-Karte


Telefunken-Olympia-Senderhaus in Zeesen
Quelle: [37]

Die Antennenanlagen wurden weiter ausgebaut.
Für das Sendehaus 5 wurden die 70 Meter hohen Dipolwandantennen auf die höhere Leistungsbelastung ausgebaut.
Das Sendehaus 6 erhielt eine neue Antennenanlage welche um dieses Haus von der Firma Jucho gebaut wurde. Es kamen weitere 13 Stahlgittertürme mit einer Höhe von je 100 m hinzu. Zwischen diesen Masten wurden die Dipolwände und Reflektoren aufgehangen. Dadurch war es möglich, eine noch stärkere vertikale Bündelung durch achtfache Dipolstockung zu erreichen.
Ein Teil aller Antennen ließ sich in Havariefällen wahlweise auf alle Sendehäuser schalten.


Antennenanlage Zeesen. Rundstrahlantenne und Richtstrahler des Deutschen Kurzwellensenders für den Weltrundfunk
Quelle: [2, S. 5]

Am 11.07.1936 ging das Sendehaus 5 in Betrieb.

Am 16.07.1936 ging das Sendehaus 6 einschließlich der neuen Antennenanlage in Betrieb.

Hörprobe Mitteilung des Olympisenders 5. August 1936:        Quelle: [unbekannt]

Etwa September 1936 (kurz nach Beendigung der Olympischen Spiele) wurde die Sendeleistung der 8 Sender in den beiden Sendehäusern auf eine Leistung von je 50 kW erhöht.


Antennenanlage Zeesen. Links ein Antennenträger für den Deutschlandsender, in der Mitte Richtstrahler nach Afrika, rechts Richtstrahler für Europa
Quelle: [2, S. 14]

1938 wurden vom Sender Zeesen über 51 Programmstunden/Tag auf 19 Kurwellen-Frequenzen gesendet.

Während der ersten Kriegsjahre errichtete man in Zeesen vier richtungsumschaltbare Rhombusantennen an vier 40-m-Holzmasten. Diese zeichneten sich durch eine relativ große Frequenzbandbreite und gute Abstrahlungsbündelung aus.

1939 wurde der 70 m hohe Holzturm aus dem Jahr 1931 demontiert. Stattdessen installierte man auf einem der 70-m-Türme des Antennensterns 1 einen ausfahrbaren Vertikalstrahler mit Radials als Gegenpotential und Selbstabstimmung, der durch fernabstimmbare mechanische Längenveränderung die Abstrahlung über einen großen Frequenzbereich, von 5 bis 30 MHz, ermöglichte. Eine, für damalige Verhältnisse, spektakuläre technische Entwicklung im Antennenbau. Diese Antenne erhielt in Insiderkreisen die Bezeichnung "Papstfinger", da zuvor eine derartige Konstruktion bei Radio Vatikan errichtet worden war.

1943 wurde noch das Haus 7 gebaut welches Ende 1943 fertiggestellt wurde. Dieses beherbergte eine Netzersatzanlage mit zwei 2.100 PS starken Dieselmotoren, die Generatoren mit einer Leistung von 1.100 Kilowatt bei 6 Kilovolt antrieben.

In seiner letzten Ausbaustufe bestand der "Weltrundfunksender Zeesen" aus folgenden Anlagen: neun 50-kW-Kurzwellensender, ein 12-kW-Kurzwellensender, ein Langwellensender mit zwei 210-m-Masten, 24 Dipolwänden an elf 70-m- und dreizehn 100-m-Türmen, dem Vertikalstrahler "Papstfinger", dem 70-m-Holzturm mit Rundstrahler und vier Rhombusantennen. Weiterhin bestanden drei Senderhäuser, ein Dieselhaus und ein Netzumspannwerk.

Hörprobe Deutsche Kurzwellensender für Süd- und Mittelamerika 1943:        Quelle: [unbekannt]

Am 26. April 1945 stellte der "Weltrundfunksender Zeesen" seine Sendungen ein. Durch das Bedienungspersonal wurden wichtige Einzelteile entfernt. Die Anlagen blieben unbeschädigt.

Nach dem 08.05.1945 wurden alle Anlagen in Zeesen in Ordnung gebracht, die Funktionstüchtigkeit vorgeführt und durch Johannes Gerlach an den Beauftragten der sowjetischen Besatzungsmacht Major Moldawanow übergeben.

Danach begann die Demontage der Sendeanlagen auf Befehl der Roten Armee mit allen verfügbaren Kräften aus der Umgebung. Diese dauerte bis zum Spätsommer 1945. Die Sendeanlagen wurden als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert.
Die Gebäude und Antennenfundamente wurden gesprengt.

Nach Gründung der DDR nahm auf einem Teil des ehemaligen Sendegeländes eine militärische KW-Sendefunkstelle ihren Betrieb auf.

Die Geschichte des Senders Zeesen wird durch die Mitarbeiter des Fördervereins "Sender KW" e.V. liebevoll erhalten. Auf dem Gelände des Senders Königs Wusterhausen, Haus 1, befindet sich heute das "Sender- und Funktechnikmuseum", wo dieser Sender ebenfalls eine große Rolle spielt.

Hier eine sehr interessante Quelle:

Telefunken in Königs-Wusterhausen (1928)

TELEFUNKEN schreibt auf seinem Einband: "Veröffentlichung unter Quellenangabe gern gestattet"

Über 30 Jahre Kooperation TONFUNK Ermsleben 1959-1990     Quelle: [254]


Quellen: [2], [10], [37], [40], [254]

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 13.02.2021